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Negative Strompreise: Was wirklich hinter dem „Solarstrom-Rekord” steckt

Die BILD-Zeitung titelte: „Neuer, teurer Energie-Irrsinn: Wir zahlen dem Ausland jetzt dicke Strom-Prämien” Der Eindruck, den der Artikel erzeugen soll, ist klar: Deutschland produziert „zu viel Solarstrom”, verschenkt ihn ins Ausland, und die Steuerzahler tragen die Zeche. Diese Darstellung vertauscht Ursache und Wirkung. Um zu verstehen, was wirklich passiert, lohnt ein genauerer Blick auf die Zusammenhänge.

Strom wird in Europa viertelstündlich an Energiebörsen gehandelt. Anbieter und Nachfrager geben Gebote ab, daraus ergibt sich für jede Viertelstunde ein Preis. Steigt das Angebot stark an, während die Nachfrage gering bleibt – etwa an sonnigen Wochenenden oder Feiertagen –, kann der Preis ins Negative rutschen. Erzeuger müssen dann dafür zahlen, dass ihr Strom abgenommen wird. 2025 gab es rund 573 solcher Stunden, das klingt nach viel, entspricht aber nur etwa 6,5 Prozent aller Jahresstunden. Und in diesen Stunden wird deutlich weniger Strom erzeugt als im Jahresdurchschnitt, weil sie typischerweise in Schwachlastzeiten fallen. Die “verschenkten” Euro wiederum sind im Verhältnis zum Gesamtumsatz noch viel geringer.

Es ist kein Solarproblem – es ist ein Systemproblem

Bild verknüpft negative Preise direkt mit Solarstrom. Das greift zu kurz. Die eigentliche Ursache liegt in der mangelnden Flexibilität des restlichen Systems. Kohlekraftwerke können technisch nicht einfach für ein paar Stunden komplett heruntergefahren werden – das würde das Material durch thermische Belastung beschädigen. Also laufen sie auf Minimallast weiter und erzeugen genau den Überschuss, über den sich BILD dann empört. Bei Erdgas-BHKW verhält es sich ähnlich: Sie müssen oft weiterhin Wärme liefern oder haben feste Einspeisevergütungen für ihren Strom. Wer sich die Erzeugungsdaten auf Energy-Charts anschaut, erkennt das Muster sofort: Braunkohle, Gas und Biomasse laufen in den Überschussstunden weiter und produzieren ungefähr jene Strommenge, die den Überschuss ausmacht. Eine ehrlichere Bild-Schlagzeile wäre also: „Wahnsinn! Trotz Stromüberschuss laufen Kohle und Gas weiter!“

Wer profitiert von niedrigen Preisen?

Was Bild konsequent verschweigt: Rund sieben Achtel des Stroms werden auch in Negativpreis-Stunden im Inland abgenommen. Niedrige und negative Großhandelspreise kommen also vor allem deutschen Betrieben und Verbrauchern zugute – denselben, über deren angeblich „teuerste Strompreise der Welt” dieselben Medien an anderen Tagen klagen. Der Zusammenhang ist in den Energy-Charts-Daten unmittelbar ablesbar: Je höher der Anteil erneuerbarer Energien im Netz, desto niedriger der Börsenpreis. Umgekehrt steigt der Preis mit jedem fossilen Kraftwerk, das den Strommix dominiert.

Der kleine Anteil, der ins Ausland fließt, ist ganz normaler europäischer Stromhandel. In einem gemeinsamen Strommarkt werden Überschüsse exportiert und Defizite importiert – Deutschland verkauft tagsüber bei Sonne und kauft nachts zurück. Das ist kein Skandal, sondern Grundfunktion des europäischen Verbundsystems. Dass der nächtliche Rückkauf teurer ist als der Tagesverkauf, ist dabei kein Argument gegen Solarstrom – sondern ein sehr deutliches Argument dafür, dass wir dringend mehr Speicherkapazität brauchen, um unseren eigenen Tagesüberschuss in die Nacht zu verschieben, statt ihn billig abzugeben und den Bedarf dann teuer fremd zu decken.

Zahlt der Steuerzahler „Prämien” ans Ausland?

Bild arbeitet mit dem Bild vom „armen deutschen Steuerzahler”, der ausländischen Versorgern Prämien finanziere. Auch das ist mindestens stark übertrieben. Seit dem Solarspitzengesetz von Februar 2025 gilt für neue Solaranlagen: Wenn der Börsenpreis über einen längeren Zeitraum negativ ist, wird keine Einspeisevergütung gezahlt. Betreiber erhalten also gerade dann kein Geld, wenn BILD von „Prämien” spricht. Die betroffenen Stunden werden am Ende der Förderlaufzeit angehängt. Von einem „Stromgeschenk plus Prämie” kann bei diesen Anlagen keine Rede sein.

Altanlagen mit fester Vergütung können in Einzelfällen noch Zahlungen erhalten. Aber diese Förderung wurde politisch beschlossen, um den Aufbau erneuerbarer Energien zu ermöglichen – eine Investition, die sich durch niedrigere Großhandelspreise und geringere Abhängigkeit von Gasimporten längst auszahlt. Zudem importieren wir im Gegenzug nachts Strom, unter anderem aus französischen Kernkraftwerken, deren Betrieb seinerseits massiv staatlich subventioniert ist. Wer also eine ehrliche Bilanz ziehen will, muss beides betrachten.

Die Lösung: Speicher und Flexibilität statt Erzeugungsbremse

Die nächtlichen Importlücken entsprechen in ihrer Größenordnung ungefähr dem täglichen Überschuss. Batteriespeicher könnten diesen Überschuss aufnehmen und abends wieder abgeben – günstiger und klimafreundlicher als der Umweg über Export und Reimport. Das Umweltbundesamt beschreibt Stromspeicher als zentrales Instrument, um erneuerbare Energien besser ins System zu integrieren. Der BDEW bezeichnet sie als „Multitools der Energiewende”. Die EU hat kürzlich beschlossen, ihre Speicherkapazität bis 2030 zu verdreifachen, um genau dieses Problem zu lösen.

Daneben brauchen wir flexible Verbraucher, die ihren Bedarf in Zeiten hoher Erzeugung verlagern. Australien zeigt, wie das aussehen kann: Dort erhalten Haushalte drei Stunden kostenlosen Strom zur Mittagszeit. Das kommt bei den Leuten gut an, schafft Anreize zur zeitlichen Verlagerung und ist für das System billiger als negative Börsenpreise. Die Initiative „Ladefreunde” aus Viernheim schlägt Ähnliches für E-Autos vor. Weitere Optionen sind die Produktion von grünem Methan oder Ethanol aus Stromüberschüssen, intelligente Wärmepumpensteuerung und ein schnellerer Netzausbau.

Was wir hingegen nicht brauchen, ist eine Abregelung der erneuerbaren Erzeugung. Genau das aber passiert zunehmend durch die sogenannte „kommerzielle Abregelung”: Direktvermarkter nehmen ihre Anlagen bei den ersten Anzeichen negativer Preise vom Netz, um nicht für eingespeisten Strom zahlen zu müssen. Im Ergebnis wird sauberer Strom nicht erzeugt – obwohl er bei vorhandenen Speichern oder flexiblen Verbrauchern einen Wert hätte. Das ist keine Lösung, sondern Verschwendung von Infrastruktur.

Warum solche Artikel jetzt erscheinen

Es ist kein Zufall, dass Springer-Medien diese Geschichten gerade jetzt platzieren. In den Springer-Medien haben wir abwechselnd „zu viel” oder „zu wenig” Strom, und beides ist jeweils eine Katastrophe – natürlich immer die Schuld der Erneuerbaren. Das Muster dient einem politischen Zweck: Um die fossile Agenda von Frau Reiche zu stützen, braucht es öffentliche Empörung, und was wäre effektiver als die drohende „Verarmung des Steuerzahlers”?

Die Wahrheit ist: Es ist im Kern positiv, dass wir große Mengen regenerativen Strom erzeugen. Erneuerbare deckten im ersten Halbjahr 2026 über 60 Prozent unseres Bedarfs, Solar war 2025 erstmals stärker als Braunkohle. Negative Preise sind kein Beweis gegen die Energiewende, sondern ein Hinweis darauf, wo wir nachbessern müssen – bei Speichern, Netzen, Flexibilität und Marktdesign. Nicht weniger Erzeugung ist die Antwort, sondern ein System, das den Überfluss für uns alle nutzt.

Wenn Ölkrisen Geschichte schreiben – und wir nichts daraus lernen

Die aktuelle Krise rund um die Straße von Hormus wirkt für viele Menschen wie ein plötzliches Ereignis. Tankstellenpreise steigen, blockierte Öltanker, beschossene Raffinerien, Regierungen geben strategische Reserven frei. Doch wer einen Blick in die Geschichte wirft, erkennt: Das ist kein neues Muster.

Schon während der ersten großen Ölkrise 1973 wurde der Welt schlagartig klar, wie abhängig unsere Wirtschaft von wenigen Förderregionen ist. 1979 folgte der nächste Schock, der ebenfalls vom Iran ausging. Immer wieder das gleiche Bild: Politische Konflikte, steigende Preise, hektische Notmaßnahmen.

Und jedes Mal dieselbe Frage: Warum sind wir noch immer so abhängig?

Heute reagiert die Politik wieder mit kurzfristigen Mitteln. Ölreserven werden freigegeben, über Preisregeln an Tankstellen wird diskutiert. Das kann den Druck für einige Wochen oder Monate mindern. Aber es ist keine Lösung, es kauft nur etwas Zeit.

Denn das eigentliche Problem bleibt gleich: Unsere Energieversorgung hängt noch immer an Öl und Gas aus politisch instabilen Regionen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich eine Frage: Ist es wirklich klug, dass die Koalition neue Gaskraftwerke plant, das Gebäudeenergiegesetz faktisch abschaffen und die Vergütung von Solarstrom streichen will – und damit unsere Abhängigkeit von Öl und Gas verlängert?

Dabei wird in der politischen Debatte oft ein Mythos wiederholt: Die Energiewende sei zu teuer. Tatsächlich zeigen die letzten Jahre das Gegenteil: Strom aus Wind und Sonne gehört heute weltweit zu den günstigsten Formen der Energieerzeugung. Einmal gebaut, brauchen diese Anlagen keinen Brennstoff. Keine Tanker, keine Pipelines, keine geopolitischen Risiken.

Auch für uns lohnt sich der Umstieg. Wer sein Dach mit Solarstrom nutzt, eine Wärmepumpe einbaut oder ein Elektroauto fährt, macht sich unabhängiger von schwankenden Öl- und Gaspreisen. Die Kosten sind am Anfang eine Investition – doch über die Jahre spart man Geld.

Für eine Volkswirtschaft gilt das umso mehr: Milliardenbeträge fließen jedes Jahr für Öl- und Gasimporte ins Ausland. 

Die Wahrheit ist unbequem: Echte Resilienz entsteht erst, wenn wir weniger Öl und Gas brauchen. Das bedeutet mehr Strom aus Sonne und Wind. Wärmepumpen statt Öl- und Gasheizungen. Elektroautos statt Benzin und Diesel. Politik kann dafür die Rahmenbedingungen setzen. Aber am Ende liegt es auch an uns – an unseren Investitionen und unserer Stimme.

Die Hormus-Krise erinnert uns an eine einfache Tatsache: Jede neue Ölkrise ist auch eine Mahnung. Die Frage ist nur, ob wir diesmal wirklich daraus lernen.

Einordnung Eduard Heindl

Werdegang

Eduard Heindl ist ein promovierter Physiker mit anerkannten Forschungsleistungen. 1997 startete Heindl die Website Solarserver, ein Portal zum Thema Solarenergienutzung in Deutschland, wofür er den Umwelt-Online-Award in Silber und den Deutschen Solarpreis erhielt. Der Lageenergiespeicher ist ein patentiertes Konzept von Heindl, bei dem durch hydraulisches Anheben einer sehr großen Felsmasse elektrische Energie gespeichert werden soll, das dafür gegründete Unternehmen ging allerdings 2020 insolvent. 2022 startete er den YouTube-Kanal Energiegespräche, in dem er Experten zu Energiethemen interviewt.

Gesprächspartner Energiegespräche

Auf seinem Youtube-Kanal interviewt Heindl neben durchaus anerkannten Experten zur Energiewende (Eicke Weber, Dirk Specht) interessanterweise aber das Who-ist-Who der Energiewendegegner und Klimawandel-Leugner, deren Positionen er nicht widerspricht:

GesprächspartnerPositition zu Energiewende / Klimawandel
Gerd Ganteför (2x)Verharmlost den Klimawandel; Behauptet, es gäbe gar nicht genug Wind; Wurde von Volker Quaschning widerlegt
Vince Ebert (2x)Kritisiert die deutsche Energiewende als ideologisch verengt und realitätsfern und propagiert Kernkraft; schürt Angst vor Blackouts
Hans-Werner Sinn (2x)Behauptet mit falschen Berechnungen, die Speicherfrage sei nicht lösbar, propagiert Kernkraft
Fritz Vahrenholt (2x)Leugnet bzw verharmlost den Klimawandel und lehnt die Energiewende ab
Christian RieckVerharmlost den Klimawandel
Michael ThorwartMitverfasser einer Studie gegen den Windatlas Baden-Württemberg, die schließlich vom Springer-Verlag zurückgezogen wurde
Axel BojanowskiVerharmlost den Klimawandel
Manuel FrondelKritisiert regelmäßig mit schrillen Formulierungen (“Subventions-Irrsinn”) die Förderung des Ökostroms; Verfasser zweifelhafter Studien gegen Windkraft
Anna Veronika WendlandAtomkraft-Lobbyistin
Daniel GräberRedakteur des rechten Magazins Cicero, der versucht, den Atomausstieg als illegal zu framen
Ulrich GräberKämpft für Atomkraft
Wolfgang EberhardVerharmlost den Klimawandel

Position zur Windkraft

Eduard Heindl ist Windkraftgegner. Belegen lässt sich dies durch einen Vortrag bei “Pro Natur Starzach“, die mit schrillen Plakaten und persönlichen Angriffen gegen geplante Windräder vorgeht. Seinen Vortrag eröffnet er direkt mit Bildern aus dem Taunus, der schon “zugepflastert mit Windenergieanlagen” sei. Auch im weiteren Verlauf seines Vortrags verwendet er abwertende Begriffe wie z.B. “Windmühlen”.

Aus der Einleitung über die Geschichte und Physik der Windkraft schließt er, dass nur bestimmte Regionen der Erde sinnvoll Windenergie nutzen können, insbesondere die Küsten oder z.B. die Mongolei. Baden-Württemberg habe keinen Wind, dort seien Anlagen nicht wirtschaftlich. Mit keinem Wort geht er auf lokale Windgeschwindigkeiten auf Höhenzügen ein, sondern zeigt nur sehr grobe europaweite Übersichtskarten.

Der nächste Punkt seines Vortrags beschäftigt sich mit der Größe der Anlagen und der für den Bau benötigten Kräne, welche enorme Schäden im Wald erzeugen würden. Wenn man die Ressourcen (z.B. Stahl) statt im windarmen Süden im windreichen Norden einsetzen würde, hätte man diese viel sinnvoller verwendet. Über die Notwendigkeit der regionalen Versorgung und die Herausforderungen und Kosten des Stromtransports über weite Strecken spricht er nicht.

Dann geht Herr Heindl auf die Energiemengen von Windkraftanlagen und Kernkraftwerken ein. Dabei haben Windkraftanlagen in seinem Vortrag eine maximale Leistung von 5MW. Der Vortrag ist von 2024, mittlerweile gibt es Anlagen mit 7MW und erzeugen je nach Standort zwischen 12 und 20 GWh Strom, nicht nur 8,8 GWh wie von Heindl abgeschätzt. Er schließt, dass das Kernkraftwerk Neckarwestheim durch 1200 Windkraftanlagen ersetzt werde müsse. Diese Anlagen verteilt er in einem Gitter von 2 x 2 km und kommt damit auf einen Flächenbedarf von 60 x 80 Quadratkilometer. Abgesehen davon, dass ein solches Aufstellen von Anlagen komplett sinnlos ist und nur der Angstmache dient, verschweigt er sämtliche weiteren Möglichkeiten der Stromversorgung.

Intensiv geht er auf das Thema “Dunkelflaute” ein. Es fällt direkt auf, dass er den Strombedarf als konstant annimmt (bzw. als Durchschnittswert einzeichnet), die Erzeugung aber mit schwankenden Werten. Tatsächlich schwankt aber natürlich auch der Bedarf, dies um so mehr, wenn große industrielle Verbraucher ihren Bedarf flexibilisieren (was teilweise bereits passiert).

Wenn die Erzeugung um den Faktor 6, wie von der Bundesregierung geplant, ausgebaut würde, dann entstünde nach Heindel ein gigantischer Überschuss, der nicht gespeichert werden könne und abgeregelt werden müsse. Mittlerweile ist diese Argumentation unter dem Stichwort “Hellbrise” bekannt. Damit sich Windkraft lohne, brauche es also gigantische Subventionen weil die Strompreise nahe bei Null lägen, wenn Wind weht. Er ignoriert dabei wiederum die Flexibilisierung der Nachfrage, Speicherkapazitäten und das europäische Verbundnetz, außerdem schürt er die Angst, dass dadurch der Strompreis steigt ohne natürlich zu erwähnen, dass der Großteil des günstigen Stroms im Inland verbraucht wird.

Seltsamerweise macht Heindl die Windkraftbetreiber direkt für die Speicherung des erzeugten Stroms verantwortlich. Dies ist insofern absurd, als dass bis Ende 2025 das EEG festlegte, dass ein Betreiber sämtliche EEG-Vergütung verlor, wenn er nicht garantieren konnte, dass die Speicher ausschließlich mit dem selbst erzeugten Strom geladen wurden. Da dies technisch schwer bis unmöglich umzusetzen war, wurde auf eine derartige Kopplung verzichtet.

Heindl stellt die Sinnhaftigkeit einer derartigen Kopplung (und in Konsequenz eigentlich die Sinnhaftigkeit von Batteriespeichern überhaupt) in Frage, weil er davon ausgeht, dass diese schon nach 5, spätestens nach 10 Jahren defekt seien und der ganze Batteriepark ausgetauscht werden müsse. Tatsächlich halten Lithium-Ionen-Batterien 10 bis 15 Jahre, und auch danach sind sie nicht einfach defekt, sondern haben eine Teil ihrer Speicherkapazität verloren, so dass ein Austausch wirtschaftlicher ist als ein Weiterbetrieb, insbesondere wenn man die Weiterentwicklung der Batterietechnologien betrachtet, durch die die Energiedichte ständig steigt. Und natürlich sind die Batteriezellen nur ein Teil der gesamten Infrastruktur.

Möglicherweise stammt seine Ablehnung von eigenen schlechten Erfahrungen, denen zufolge er 1992 durch eine Investition in eine Windkraftanlage in der Eifel 28.300 DM verloren habe.

Weiter übernimmt Heindl in seinem Vortrag eine These von Professor Ganteför (den Heindl ebenfalls interviewt hatte), der behauptet, physikalisch gäbe es in Baden-Württemberg überhaupt nicht genug Wind, um das Land damit mit Strom zu versorgen. Diese These wurde bereits von Prof. Volker Quaschning ausführlich widerlegt. Dem so berechneten (falschen) Energieerzeugungspotential stellt er den Primärenergiebedarf Baden-Württembergs gegenüber – ein weiterer gerne verwendeter Trick von Gegnern der Energiewende, die die Effizienzgewinne durch die Elektrifizierung (und darüber hinaus wiederum weitere klimaneutrale Erzeugungsformen) unterschlagen.

Schließlich versteigt sich Heindl sogar zu der Behauptung, der Rückgang der mittleren Windgeschwindigkeiten in Deutschland käme davon, dass die Windkraftanlagen ihn abbremsen würden. Es gibt aber keinen derartigen eindeutigen Trend, die Windgeschwindigkeiten schwanken regional und von Jahr zu Jahr sehr viel stärker; es lässt sich seit 1980 maximal ein Rückgang von knapp 6% aus den von Heindl verwendeten Wetterdaten ablesen – nicht 30% wie von ihm behauptet. Betrachtet man den ganzen Zeitraum seit 1950, ist fast überhaupt kein Rückgang mehr vorhanden. Heindl verwendet also bewusst eine selektive Auswahl, ein vollkommen unwissenschaftliches Vorgehen.

Sofern überhaupt ein Rückgang oder eine Änderung existiert, so wäre allerdings der Klimawandel dafür verantwortlich, diesen erwähnt Heindl mit keinem Wort.

Sein Fazit ist, dass das Abschalten der Kernkraftwerke eine teure Fehlentscheidung war – und zeigt, woher bei Heindl der Wind weht. Konsequenterweise spielt er in einem weiteren Video die Gefährlichkeit von Radioaktivität herunter.

Zusammengenommen gibt Heindl die falschen Narrative von Kernkraftbefürwortern und Energiewendegegnern wieder, einen wissenschaftlicher Ansatz gibt es in seinem Vortrag nicht.

Das “Energiepolitische Dreieck”

Von “Gegenwind Bergstraße” wird Heindl als Redner zum Thema “Energiepolitisches Dreieck” eingeladen. Dieser Begriff wird von Gegenwind auch auf deren Flyern bemüht. Das energiepolitische Zieldreieck ist ein etabliertes Konzept in der energiepolitischen Analyse Deutschlands und der EU, das drei wesentliche Ziele der Energiepolitik beschreibt – und zwischen denen Zielkonflikte bestehen können:

  1. Versorgungssicherheit
  2. Wirtschaftlichkeit / Bezahlbarkeit
  3. Umweltverträglichkeit / Klimaschutz

Dieses Modell wird in wissenschaftlichen und politischen Diskussionen breit verwendet, um Zielkonflikte und Kompromisse in politischen Strategien zu analysieren.

Versorgungssicherheit bezieht sich auf zwei Aspekte der Energiepolitik: Sowohl eine technische als auch die politische Versorgungssicherheit müssen garantiert sein. Technische Versorgungssicherheit garantiert, dass alle Energiequellen und ihre technischen Komponenten – zum Beispiel Anlagen, Leitungen und Steuerungssysteme – voll funktionsfähig und einsatzbereit sind. Politische Versorgungssicherheit meint das Funktionieren der Energieversorgung auch im Falle eines Wegbrechens von Energieimporten.

Das Ziel der Wirtschaftlichkeit (Bezahlbarkeit) besteht darin, Energie für alle bezahlbar zu machen. Somit hat es auch eine starke soziale Komponente. Wenn sich Endverbraucher:innen Strom, Gas und Benzin nicht mehr leisten können, sorgt das für soziale Unruhen und ein weiteres Aufklaffen der Schere zwischen Arm und Reich. 

Der Kern der Energiewende ist die ökologische Verträglichkeit von Strom- und Wärmeerzeugung. Um die Klimaziele einzuhalten, muss die Energieversorgung schnell auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Heindls Haltung

Es gibt keine expliziten öffentlichen Aussagen von Heindl zu diesem Thema. Allerdings kann aus seinen bisherigen Gesprächen und Veröffentlichungen abgeleitet werden, dass er

  • die Versorgungssicherheit als ein zentrales, aber problematisches Element der aktuellen deutschen Energiepolitik sieht. In vielen seinen Beiträgen übt er Kritik an der Energiewende und zeigt angebliche Probleme auf. Seine Interviewpartner, insbesondere Hans-Werner Sinn zweifeln die technische Versorgungssicherheit mit den Schlagworten “Zappelstrom” und “fehlende Grundlast” an.
  • Kosten- und Wirtschaftlichkeitsfragen sind zentraler Teil seiner Argumentation, u.a. hat er einen eigenen Vortrag zum Thema “Der wahre Strompreis der Erneuerbaren Energiequellen” veröffentlicht. Viele Gesprächsfolgen oder Interviews drehen sich um Strompreis, Energiepreise, Marktmechanismen und wirtschaftliche Akteursfragen („Öl, Preise, Wirtschaft in Deutschland“ mit Sinn; Andrea Thoma-Böck zu “Strompreis, Überregulierung, Arbeitsplätze”).
  • Umwelt- und Klimaschutz werden nicht als wichtiges Problem präsentiert, viele seiner Gespräche hierzu sind mit Menschen, welche die Gefahren des Klimawandels herunterspielen oder in Frage stellen (Ganteför, Vahrenholt, Rieck, Bojanowski, Eberhard).

Zusammenfassend lässt sich vermuten, dass Heindl den Klimawandel als eher unproblematisch einschätzt und statt Windrädern lieber Atomkraftwerke bauen würde.