Werdegang

Eduard Heindl ist ein promovierter Physiker mit anerkannten Forschungsleistungen. 1997 startete Heindl die Website Solarserver, ein Portal zum Thema Solarenergienutzung in Deutschland. Der Lageenergiespeicher ist ein Konzept von Heindl, bei dem durch hydraulisches Anheben einer sehr großen Felsmasse elektrische Energie gespeichert werden soll, das dafür gegründete Unternehmen ging allerdings 2020 insolvent. 2022 startete er den YouTube-Kanal Energiegespräche, in dem er Experten zu Energiethemen interviewt.

Gesprächspartner Energiegespräche

Auf seinem Youtube-Kanal interviewt Heindl neben durchaus anerkannten Experten zur Energiewende (Eicke Weber, Dirk Specht) das Who-ist-Who der Energiewendegegner und Klimawandel-Leugner, deren Positionen er nicht widerspricht:

GesprächspartnerPositition zu Energiewende / Klimawandel
Gerd Ganteför (2x)Verharmlost den Klimawandel; Behauptet, es gäbe gar nicht genug Wind; Wurde von Volker Quaschning widerlegt
Vince Ebert (2x)Kritisiert die deutsche Energiewende als ideologisch verengt und realitätsfern und propagiert Kernkraft; schürt Angst vor Blackouts
Hans-Werner Sinn (2x)Behauptet mit falschen Berechnungen, die Speicherfrage sei nicht lösbar, propagiert Kernkraft
Fritz Vahrenholt (2x)Leugnet bzw verharmlost den Klimawandel und lehnt die Energiewende ab
Christian RieckVerharmlost den Klimawandel
Michael ThorwartMitverfasser einer Studie gegen den Windatlas Baden-Württemberg, die schließlich vom Springer-Verlag zurückgezogen wurde
Axel BojanowskiVerharmlost den Klimawandel
Manuel FrondelKritisiert regelmäßig mit schrillen Formulierungen (“Subventions-Irrsinn”) die Förderung des Ökostroms; Verfasser zweifelhafter Studien gegen Windkraft
Anna Veronika WendlandAtomkraft-Lobbyistin
Daniel GräberRedakteur des rechten Magazins Cicero, der versucht, den Atomausstieg als illegal zu framen
Ulrich GräberKämpft für Atomkraft
Wolfgang EberhardVerharmlost den Klimawandel

Position zur Windkraft

Eduard Heindl ist Windkraftgegner. Belegen lässt sich dies durch einen Vortrag bei “Pro Natur Starzach“, die mit schrillen Plakaten und persönlichen Angriffen gegen geplante Windräder vorgeht. Seinen Vortrag eröffnet er direkt mit Bildern aus dem Taunus, der schon “zugepflastert mit Windenergieanlagen” sei. Auch im weiteren Verlauf seines Vortrags verwendet er abwertende Begriffe wie z.B. “Windmühlen”.

Aus der Einleitung über die Geschichte und Physik der Windkraft schließt er, dass nur bestimmte Regionen der Erde sinnvoll Windenergie nutzen können, insbesondere die Küsten oder z.B. die Mongolei. Baden-Württemberg habe keinen Wind, dort seien Anlagen nicht wirtschaftlich. Mit keinem Wort geht er auf lokale Windgeschwindigkeiten auf Höhenzügen ein, sondern zeigt nur sehr grobe europaweite Übersichtskarten.

Der nächste Punkt seines Vortrags beschäftigt sich mit der Größe der Anlagen und der für den Bau benötigten Kräne, welche enorme Schäden im Wald erzeugen würden. Wenn man die Ressourcen (z.B. Stahl) statt im windarmen Süden im windreichen Norden einsetzen würde, hätte man diese viel sinnvoller verwendet. Über die Notwendigkeit der regionalen Versorgung und die Herausforderungen und Kosten des Stromtransports über weite Strecken spricht er nicht.

Dann geht Herr Heindl auf die Energiemengen von Windkraftanlagen und Kernkraftwerken ein. Dabei haben Windkraftanlagen in seinem Vortrag eine maximale Leistung von 5MW. Der Vortrag ist von 2024, mittlerweile gibt es Anlagen mit 7MW und erzeugen je nach Standort zwischen 12 und 20 GWh Strom, nicht nur 8,8 GWh wie von Heindl abgeschätzt. Er schließt, dass das Kernkraftwerk Neckarwestheim durch 1200 Windkraftanlagen ersetzt werde müsse. Diese Anlagen verteilt er in einem Gitter von 2 x 2 km und kommt damit auf einen Flächenbedarf von 60 x 80 Quadratkilometer. Abgesehen davon, dass ein solches Aufstellen von Anlagen komplett sinnlos ist und nur der Angstmache dient, verschweigt er sämtliche weiteren Möglichkeiten der Stromversorgung.

Intensiv geht er auf das Thema “Dunkelflaute” ein. Es fällt direkt auf, dass er den Strombedarf als konstant annimmt (bzw. als Durchschnittswert einzeichnet), die Erzeugung aber mit schwankenden Werten. Tatsächlich schwankt aber natürlich auch der Bedarf, dies um so mehr, wenn große industrielle Verbraucher ihren Bedarf flexibilisieren (was teilweise bereits passiert).

Wenn die Erzeugung um den Faktor 6, wie von der Bundesregierung geplant, ausgebaut würde, dann entstünde nach Heindel ein gigantischer Überschuss, der nicht gespeichert werden könne und abgeregelt werden müsse. Mittlerweile ist diese Argumentation unter dem Stichwort “Hellbrise” bekannt. Damit sich Windkraft lohne, brauche es also gigantische Subventionen weil die Strompreise nahe bei Null lägen, wenn Wind weht. Er ignoriert dabei wiederum die Flexibilisierung der Nachfrage, Speicherkapazitäten und das europäische Verbundnetz, außerdem schürt er die Angst, dass dadurch der Strompreis steigt ohne natürlich zu erwähnen, dass der Großteil des günstigen Stroms im Inland verbraucht wird.

Seltsamerweise macht Heindl die Windkraftbetreiber direkt für die Speicherung des erzeugten Stroms verantwortlich. Dies ist insofern absurd, als dass bis Ende 2025 das EEG festlegte, dass ein Betreiber sämtliche EEG-Vergütung verlor, wenn er nicht garantieren konnte, dass die Speicher ausschließlich mit dem selbst erzeugten Strom geladen wurden. Da dies technisch schwer bis unmöglich umzusetzen war, wurde auf eine derartige Kopplung verzichtet.

Heindl stellt die Sinnhaftigkeit einer derartigen Kopplung (und in Konsequenz eigentlich die Sinnhaftigkeit von Batteriespeichern überhaupt) in Frage, weil er davon ausgeht, dass diese schon nach 5, spätestens nach 10 Jahren defekt seien und der ganze Batteriepark ausgetauscht werden müsse. Tatsächlich halten Lithium-Ionen-Batterien 10 bis 15 Jahre, und auch danach sind sie nicht einfach defekt, sondern haben eine Teil ihrer Speicherkapazität verloren, so dass ein Austausch wirtschaftlicher ist als ein Weiterbetrieb, insbesondere wenn man die Weiterentwicklung der Batterietechnologien betrachtet, durch die die Energiedichte ständig steigt. Und natürlich sind die Batteriezellen nur ein Teil der gesamten Infrastruktur.

Möglicherweise stammt seine Ablehnung von eigenen schlechten Erfahrungen, denen zufolge er 1992 durch eine Investition in eine Windkraftanlage in der Eifel 28.300 DM verloren habe.

Weiter übernimmt Heindl in seinem Vortrag eine These von Professor Ganteför (den Heindl ebenfalls interviewt hatte), der behauptet, physikalisch gäbe es in Baden-Württemberg überhaupt nicht genug Wind, um das Land damit mit Strom zu versorgen. Diese These wurde bereits von Prof. Volker Quaschning ausführlich widerlegt. Dem so berechneten (falschen) Energieerzeugungspotential stellt er den Primärenergiebedarf Baden-Württembergs gegenüber – ein weiterer gerne verwendeter Trick von Gegnern der Energiewende, die die Effizienzgewinne durch die Elektrifizierung (und darüber hinaus wiederum weitere klimaneutrale Erzeugungsformen) unterschlagen.

Schließlich versteigt sich Heindl sogar zu der Behauptung, der Rückgang der mittleren Windgeschwindigkeiten in Deutschland käme davon, dass die Windkraftanlagen ihn abbremsen würden. Es gibt aber keinen derartigen eindeutigen Trend, die Windgeschwindigkeiten schwanken regional und von Jahr zu Jahr sehr viel stärker; es lässt sich seit 1980 maximal ein Rückgang von knapp 6% aus den von Heindl verwendeten Wetterdaten ablesen – nicht 30% wie von ihm behauptet. Betrachtet man den ganzen Zeitraum seit 1950, ist fast überhaupt kein Rückgang mehr vorhanden. Heindl verwendet also bewusst eine selektive Auswahl, ein vollkommen unwissenschaftliches Vorgehen.

Sofern überhaupt ein Rückgang oder eine Änderung existiert, so wäre allerdings der Klimawandel dafür verantwortlich, diesen erwähnt Heindl mit keinem Wort.

Sein Fazit ist, dass das Abschalten der Kernkraftwerke eine teure Fehlentscheidung war – und zeigt, woher bei Heindl der Wind weht. Konsequenterweise spielt er in einem weiteren Video die Gefährlichkeit von Radioaktivität herunter.

Zusammengenommen gibt Heindl die falschen Narrative von Kernkraftbefürwortern und Energiewendegegnern wieder, einen wissenschaftlicher Ansatz gibt es in seinem Vortrag nicht.

Das “Energiepolitische Dreieck”

Von “Gegenwind Bergstraße” wird Heindl als Redner zum Thema “Energiepolitisches Dreieck” eingeladen. Dieser Begriff wird von Gegenwind auch auf deren Flyern bemüht. Das energiepolitische Zieldreieck ist ein etabliertes Konzept in der energiepolitischen Analyse Deutschlands und der EU, das drei wesentliche Ziele der Energiepolitik beschreibt – und zwischen denen Zielkonflikte bestehen können:

  1. Versorgungssicherheit
  2. Wirtschaftlichkeit / Bezahlbarkeit
  3. Umweltverträglichkeit / Klimaschutz

Dieses Modell wird in wissenschaftlichen und politischen Diskussionen breit verwendet, um Zielkonflikte und Kompromisse in politischen Strategien zu analysieren.

Versorgungssicherheit bezieht sich auf zwei Aspekte der Energiepolitik: Sowohl eine technische als auch die politische Versorgungssicherheit müssen garantiert sein. Technische Versorgungssicherheit garantiert, dass alle Energiequellen und ihre technischen Komponenten – zum Beispiel Anlagen, Leitungen und Steuerungssysteme – voll funktionsfähig und einsatzbereit sind. Politische Versorgungssicherheit meint das Funktionieren der Energieversorgung auch im Falle eines Wegbrechens von Energieimporten.

Das Ziel der Wirtschaftlichkeit (Bezahlbarkeit) besteht darin, Energie für alle bezahlbar zu machen. Somit hat es auch eine starke soziale Komponente. Wenn sich Endverbraucher:innen Strom, Gas und Benzin nicht mehr leisten können, sorgt das für soziale Unruhen und ein weiteres Aufklaffen der Schere zwischen Arm und Reich. 

Der Kern der Energiewende ist die ökologische Verträglichkeit von Strom- und Wärmeerzeugung. Um die Klimaziele einzuhalten, muss die Energieversorgung schnell auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Heindls Haltung

Es gibt keine expliziten öffentlichen Aussagen von Heindl zu diesem Thema. Allerdings kann aus seinen bisherigen Gesprächen und Veröffentlichungen abgeleitet werden, dass er

  • die Versorgungssicherheit als ein zentrales, aber problematisches Element der aktuellen deutschen Energiepolitik sieht. In vielen seinen Beiträgen übt er Kritik an der Energiewende und zeigt angebliche Probleme auf. Seine Interviewpartner, insbesondere Hans-Werner Sinn zweifeln die technische Versorgungssicherheit mit den Schlagworten “Zappelstrom” und “fehlende Grundlast” an.
  • Kosten- und Wirtschaftlichkeitsfragen sind zentraler Teil seiner Argumentation, u.a. hat er einen eigenen Vortrag zum Thema “Der wahre Strompreis der Erneuerbaren Energiequellen” veröffentlicht. Viele Gesprächsfolgen oder Interviews drehen sich um Strompreis, Energiepreise, Marktmechanismen und wirtschaftliche Akteursfragen („Öl, Preise, Wirtschaft in Deutschland“ mit Sinn; Andrea Thoma-Böck zu “Strompreis, Überregulierung, Arbeitsplätze”).
  • Umwelt- und Klimaschutz werden nicht als wichtiges Problem präsentiert, viele seiner Gespräche hierzu sind mit Menschen, welche die Gefahren des Klimawandels herunterspielen oder in Frage stellen (Ganteför, Vahrenholt, Rieck, Bojanowski, Eberhard).

Zusammenfassend lässt sich vermuten, dass Heindl den Klimawandel als eher unproblematisch einschätzt und statt Windrädern lieber Atomkraftwerke bauen würde.