Rückenwind für Klimaschutz!

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Analyse des Vereins DSGS (Deutsche Schutzgemeinschaft Schall)

Internetseite der Organisation: https://www.dsgs-info.de/

Disclaimer: Die folgende Analyse wurde vollständig von ChatGPT verfasst.

Die DSGS ist ein realer, eingetragener Verein und nicht einfach eine erfundene Internetorganisation. Als Quelle für eine neutrale wissenschaftliche Einordnung von Infraschall ist die DSGS allerdings nur eingeschränkt geeignet, da sie selbst eine klare Position zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Infraschall und zum Ausbau der Windenergie vertritt und wissenschaftlich umstrittene bzw. nicht belegte Hypothesen vielfach als gesicherte Tatsachen darstellt.

1. Ist das überhaupt ein „richtiger“ Verein?

Ja.

Die „Deutsche Schutz-Gemeinschaft Schall für Mensch und Tier e.V.“ ist beim Amtsgericht Düren unter VR 2731 eingetragen. Die Satzung bezeichnet den Verein als gemeinnützig und nennt als Vereinszweck unter anderem Umwelt- und Gesundheitsschutz, Schallschutz, Unterstützung von Selbsthilfegruppen und ausdrücklich auch die Einflussnahme auf Gesetzgeber und Verwaltung.

Das ist aber eine wichtige Unterscheidung:

„Eingetragener/gemeinnütziger Verein“ bedeutet nicht „wissenschaftlich unabhängige oder wissenschaftlich zuverlässige Quelle“.

Ein Verein darf selbstverständlich eine politische oder gesellschaftliche Position vertreten. Und genau das tut die DSGS.

Interessant ist auch die Zusammensetzung der Mitglieder: Die DSGS selbst gibt an, dass etwa 72 % ihrer Mitglieder durch Windräder schallbetroffen seien, weitere 18 % durch andere technische Anlagen und nur rund 10 % Mediziner, Ingenieure und Naturwissenschaftler.

Das spricht schon eher für eine Betroffenen- bzw. Interessenorganisation als für eine wissenschaftliche Fachgesellschaft.

2. Ist der Verein gegen Windräder?

Sehr deutlich: ja.

Das ist nicht bloß eine Interpretation von mir. Die DSGS hat beispielsweise Pressemitteilungen mit Titeln wie „Windräder erzeugen krankmachenden Infraschall“ veröffentlicht und 2019 ausdrücklich vor der „weitere[n] Nutzung und Ausbau der Windräder“ gewarnt.

Noch deutlicher wird es auf der aktuellen Infraschall-Seite. Dort heißt es unter anderem:

„Die stärksten Infraschall-Quellen sind Windräder.“

und es wird behauptet, Windräder könnten über viele Kilometer gesundheitsschädliche Wirkungen entfalten.

Die DSGS stellt außerdem eine eigene Anleitung bereit, was man tun soll, „wenn der Bau von Windrädern in der Nähe droht“.

3. Das größere Problem: Was behauptet die DSGS wissenschaftlich?

Die DSGS behauptet auf ihrer Infraschall-Seite unter anderem, technisch erzeugter Infraschall verursache bzw. könne verursachen:

  • Herzrhythmusstörungen
  • irreversible Herzmuskelveränderungen
  • Tinnitus
  • Gefäßentzündungen
  • reduzierte Fruchtbarkeit
  • Fehlgeburten und Missbildungen
  • Alzheimer
  • Epilepsie
  • Herzinsuffizienz
  • Krebs
  • Störungen des Immunsystems

und vieles mehr.

Das ist eine außerordentlich weitreichende Behauptung.

Das Problem ist nicht, dass solche Hypothesen überhaupt untersucht werden. Wissenschaftlich darf man selbstverständlich auch ungewöhnliche Hypothesen aufstellen.

Das Problem ist die Darstellung des Evidenzgrades.

Die DSGS formuliert häufig so, als seien diese Zusammenhänge bereits nachgewiesen. Die unabhängige wissenschaftliche Literatur gibt diesen Evidenzgrad aber gerade nicht her.

Das Umweltbundesamt hat beispielsweise eine umfangreiche Untersuchung zu den Wirkungen von Infraschall durchgeführt. Das Forschungsvorhaben untersuchte experimentell mögliche körperliche Reaktionen und das Lästigkeitsempfinden bei Infraschall.

Eine medizinisch-physikalische Übersichtsarbeit von Koch, Holzheu und Hundhausen kommt zu dem Ergebnis, dass es keine Evidenz für gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Windenergieanlagen gibt. Die Autoren fanden insbesondere keinen Zusammenhang mit Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Bluthochdruck; bei Schlafmitteln gab es zwar einen Zusammenhang, objektiv gemessene Schlafparameter zeigten diesen jedoch nicht.

Das bedeutet nicht „Infraschall ist grundsätzlich harmlos“. Es bedeutet vielmehr:

Für die Behauptung, dass der von Windkraftanlagen erzeugte Infraschall in den üblichen Abständen schwere Erkrankungen verursacht, gibt es derzeit keine robuste wissenschaftliche Evidenz.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

4. Ein Beispiel für diese Argumentationsweise ist die Bezugnahme auf den Medizin-Nobelpreis 2021

Die DSGS schreibt:

„Der Nobelpreis für Medizin 2021 ebnete neue Einblicke zum Infraschallthema.“

Das klingt zunächst sehr überzeugend. Aber hier wird eine wissenschaftliche Erkenntnis in einen anderen Kontext übertragen.

Der Nobelpreis für Medizin 2021 ging an David Julius und Ardem Patapoutian für die Entdeckung von Rezeptoren bzw. Mechanismen der Temperatur- und Berührungswahrnehmung.

Patapoutians Arbeiten zu mechanosensitiven Ionenkanälen, insbesondere PIEZO1/PIEZO2, sind reale und wichtige Grundlagenforschung.

Aus diesen grundlegenden Erkenntnissen folgt allerdings nicht ohne Weiteres, dass die von Windenergieanlagen emittierten Infraschallanteile bei den in der Umgebung auftretenden Pegeln entsprechende gesundheitliche Wirkungen wie Herzschäden, Krebs, Fehlgeburten, Alzheimer usw. auslösen.

Das ist eine wissenschaftlich sehr viel weitergehende Schlussfolgerung als die Nobelpreis-ausgezeichnete Grundlagenforschung selbst hergibt.

5. Die zentrale wissenschaftliche Figur im Vorstand: Dr. Ursula Bellut-Staeck

Hier lohnt sich ein genauerer Blick.

Ursula Bellut-Staeck ist tatsächlich Ärztin und hat Humanmedizin studiert. In ihrer eigenen wissenschaftlichen Biografie wird sie als Fachärztin für Allgemeinmedizin und Notfallmedizin beschrieben; ihre Forschungsinteressen umfassen unter anderem Mikrozirkulation, kardiovaskuläre Physiologie und Gefäßbiologie.

Sie ist also keine Person ohne medizinische Qualifikation. Das sollte man fairerweise ausdrücklich sagen.

Sie ist gleichzeitig die wissenschaftliche Vertreterin derjenigen Hypothese, die bei der DSGS eine zentrale Rolle spielt: dass chronischer, insbesondere gepulster Infraschall über Mechanotransduktion und PIEZO-Kanäle die Endothelfunktion und Mikrozirkulation beeinträchtigt.

Sie hat dazu mehrere Arbeiten veröffentlicht. Die DSGS führt diese selbst als wissenschaftliche Nachweise auf.

Aber auch hier gibt es einen wichtigen Punkt: Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hat Bellut-Staecks Hypothese ausdrücklich bewertet. Ihre Schlussfolgerung lautet, dass es sich bei der behaupteten Wirkung im Wesentlichen um „spekulative Überlegungen“ zu möglichen Einflüssen von Schall auf die Mikrozirkulation handelt. Als möglicher Mechanismus wird auch dort PIEZO1 genannt.

Das ist meines Erachtens eine ziemlich wichtige Einordnung.

Man kann also durchaus sagen:

Bellut-Staeck ist eine reale Ärztin und veröffentlicht wissenschaftlich. Ihre zentrale Infraschall-Hypothese ist aber nicht mit einer etablierten wissenschaftlichen Tatsache gleichzusetzen.

6. Auch die Publikation selbst sollte man richtig einordnen

Bellut-Staeck hat beispielsweise 2023 einen Artikel zum Thema Endothel und Mikrozirkulation veröffentlicht. Die DSGS verwendet diesen als wissenschaftlichen Beleg.

Interessanterweise zitiert dieser Artikel selbst die gegenteilige wissenschaftliche Position. In einem Leserbrief von Bellut-Staeck in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift wird beispielsweise ausdrücklich die Arbeit von Koch et al. genannt, deren Titel lautet:

„Windenergieanlagen und Infraschall: Keine Evidenz für gesundheitliche Beeinträchtigungen“.

Es gibt also tatsächlich eine wissenschaftliche Kontroverse.

Das Entscheidende ist aber:

Kontroverse ≠ gleichgewichteter Forschungsstand.

Dass eine Ärztin eine Hypothese publiziert, beweist noch nicht, dass diese Hypothese epidemiologisch bestätigt wurde.

7. Was ist mit der Behauptung „bis zu 15 km“?

Diese Angabe bedarf einer näheren Einordnung. Die DSGS behauptet aktuell, die Wissenschaft schätze einen schädlichen Radius von bis zu 15 km um Windkraftanlagen.

Das ist nicht dasselbe wie:

„Infraschall kann in 15 km Entfernung noch physikalisch nachgewiesen werden.“

Und es ist erst recht nicht dasselbe wie:

„In 15 km Entfernung verursacht dieser Infraschall gesundheitliche Schäden.“

Hier werden drei unterschiedliche Dinge vermischt:

  1. physikalische Ausbreitung,
  2. Messbarkeit,
  3. gesundheitliche Wirkung.

Dass sich tieffrequenter Schall über größere Entfernungen ausbreiten kann, ist unproblematisch. Daraus folgt aber nicht automatisch eine gesundheitlich relevante Exposition.

Genau diese Trennung ist bei der Bewertung der DSGS besonders wichtig.

8. Und was ist über den Vorstand bekannt?

Die DSGS nennt auf ihrer Website als Vorstand Peter P. Jaeger (1. Vorsitzender), Reinhard Hollenhorst (2. Vorsitzender), Isolde Reichert (Schatzmeisterin), Dipl.-Ing. Matthias Eck (Schriftführer) sowie Dr. Jörg Reichert und Dr. med. Ursula Bellut-Staeck als Beisitzer.

Zu Peter P. Jaeger finden sich öffentlich Angaben zu seiner Tätigkeit als Maler- und Lackierermeister sowie als Sachverständiger für das Maler- und Lackiererhandwerk.

Dipl.-Ing. Matthias Eck wird mit seinem akademischen Abschluss als Diplom-Ingenieur geführt. Weitere öffentlich zugängliche Angaben betreffen insbesondere seine Tätigkeit innerhalb der DSGS und sein Engagement im Zusammenhang mit dem Thema Windenergie und Schall.

Dr. med. Ursula Bellut-Staeck ist Ärztin und hat sich wissenschaftlich mit den möglichen biologischen Wirkungen tieffrequenter Schallimmissionen beschäftigt. Zu ihren Forschungsthemen gehören unter anderem die Mikrozirkulation, das Gefäßendothel und mögliche biologische Reaktionen auf mechanische Reize. Sie hat hierzu wissenschaftliche Veröffentlichungen vorgelegt und vertritt die Auffassung, dass insbesondere tieffrequenter bzw. gepulster Schall biologische Auswirkungen auf die Gefäßfunktion haben kann.

Zu Reinhard Hollenhorst, Isolde Reichert und Dr. Jörg Reichert sind auf der Website der DSGS und in öffentlich zugänglichen Quellen vor allem ihre Funktionen innerhalb des Vereins dokumentiert.

Die Zusammensetzung des Vorstands zeigt damit unterschiedliche berufliche Hintergründe. Eine ausführliche Darstellung der wissenschaftlichen Qualifikationen sämtlicher Vorstandsmitglieder findet sich in den öffentlich zugänglichen Informationen des Vereins nicht.

9. Ein interessanter Hinweis auf die politische Vernetzung

Es gibt außerdem öffentlich zugängliche Registerdaten, die frühere Vorstandsverbindungen dokumentieren. Danach gab es unter anderem Verbindungen zwischen der DSGS und dem Landesverband Vernunftkraft Hessen, einem Zusammenschluss von Windkraft-kritischen Bürgerinitiativen.

10. Wo die DSGS durchaus einen legitimen Punkt hat

Man sollte jetzt nicht in das andere Extrem fallen.

Es ist durchaus legitim, auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Lärm und tieffrequentem Schall hinzuweisen. Lärm kann gesundheitlich relevant sein, insbesondere hinsichtlich Belästigung, Schlaf und kardiovaskulärer Risiken. Auch die WHO erkennt Umweltlärm als relevantes Gesundheitsproblem an und nennt Windenergieanlagen ausdrücklich als eine mögliche Lärmquelle.

Ebenso ist es völlig legitim, die Messmethodik, Grenzwerte oder die Berücksichtigung tieffrequenter Geräusche kritisch zu hinterfragen.

Auch die Frage, ob bestimmte besonders empfindliche Personen stärker reagieren, ist wissenschaftlich nicht völlig uninteressant.

Der Fehler besteht darin, von

„Hier gibt es noch Forschungsfragen und manche Menschen leiden unter Geräuschen“

zu

„Windkraft-Infraschall verursacht über Kilometer hinweg Herzschäden, Krebs, Fehlgeburten, Alzheimer usw.“

zu springen.

Für diesen zweiten Schritt fehlt die entsprechende Evidenz.

Meine Gesamtbewertung

Die DSGS ist ein realer, eingetragener Verein mit tatsächlich betroffenen Mitgliedern und einzelnen fachlich qualifizierten Personen. Sie ist aber keine neutrale wissenschaftliche Institution. Ihre öffentliche Kommunikation ist stark windkraftkritisch und stellt mögliche Wirkmechanismen und einzelne Forschungsergebnisse teilweise als Beleg für konkrete gesundheitliche Folgen dar, obwohl diese Schlussfolgerungen wissenschaftlich nicht allgemein etabliert sind. Deshalb ist sie als Interessenvertretung ernst zu nehmen, als wissenschaftliche Autorität zur Frage „Wie gefährlich ist Windkraft-Infraschall?“ jedoch mit erheblicher Vorsicht zu behandeln.

Europa in Flammen

Seit Anfang Juli brennen die Wälder Südeuropas und Nordafrikas in einem Ausmaß, das selbst erfahrene Einsatzkräfte an ihre Grenzen bringt. In Frankreich wurden bis Mitte Juli über 42.000 Hektar Wald vernichtet, in Spanien und Portugal gibt es Feuer, die jeweils mehr als 13.000 Hektar zerstört haben – Flächen größer als Sylt. EU-weit sind seit Jahresbeginn rund 155.000 Hektar verbrannt, etwa 16 Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt. Und das sind nur die europäischen Zahlen: In Tunesien, wo Temperaturen von fast 50 Grad herrschen, brachen innerhalb von 72 Stunden mindestens 900 Brände aus. Die tunesische Strom- und Gasgesellschaft führt unangekündigte Stromabschaltungen durch – Klimaanlagen, Wasserversorgung und Mobilfunknetze fallen aus.

Die Satellitenkarte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) macht das Ausmaß sichtbar: Gelbe und orangefarbene Markierungen überziehen Spanien, Südfrankreich und Norditalien. Wer sich die interaktive Karte anschaut, erkennt eine zusammenhängende Landschaft aus Brandnarben, die sich vom Ebro-Delta bis in die Alpenausläufer zieht. Das ist kein „lokales Feuerchen”, sondern eine regionale Katastrophe.

Die Brände sind kein reines „Naturereignis”. Studien belegen klar: Der Klimawandel begünstigt das sogenannte Feuerwetter – heiß, trocken, windig. Verschärfend kommt hinzu, dass der feuchte Frühling ein starkes Wachstum von Gras und Büschen ermöglichte, das anschließend vertrocknete und als Zunder im Unterholz stand. Zudem dominieren in vielen Regionen Kiefern und Eukalyptus in Monokulturen – Baumarten, die leicht brennbare Terpene enthalten und statt natürlicher Eichen- und Kastanienwälder gepflanzt wurden.

Mindestens ebenso erschreckend sind die Opferzahlen abseits der Flammen. Das Robert Koch-Institut schätzt allein für Deutschland bis Mitte Juli fast 10.000 hitzebedingte Todesfälle. Europaweit gehen Schätzungen von über 20.000 zusätzlichen Toten aus – mehr als beim Kosovo-Krieg. Hitze tötet selten plötzlich; sie verschlimmert Herz-Kreislauf-Leiden, überlastet den Körper älterer und chronisch kranker Menschen, bis er nicht mehr kompensieren kann. Besonders gefährdet sind Menschen in schlecht gedämmten Wohnungen, die allein leben oder sich keine Kühlung leisten können.

Die WHO erinnert daran: In den vergangenen vier Jahren sind in Europa über 200.000 Menschen an Hitze gestorben – die meisten Todesfälle wären vermeidbar gewesen. Vermeidbar heißt: politisch entscheidbar. Hitzeaktionspläne, kühle öffentliche Räume, Entsiegelung, Grünflächen und angepasste Arbeitszeiten retten Leben. Und natürlich: der schnellstmögliche Ausstieg aus fossilen Energien, die diese Extreme anheizen. Wenn sich Politiker wie unser Bundeskanzler darauf beschränken, „die Situation zu beobachten”, während Zehntausende sterben und Hunderttausende Hektar verbrennen, dann ist das keine Besonnenheit – sondern Verweigerung.

Die DLR-Brandkarte ist unter https://services.zki.dlr.de/fire frei zugänglich. Man sollte sie sich anschauen. Und dann fragen: Worüber streiten wir eigentlich noch?

Negative Strompreise: Was wirklich hinter dem „Solarstrom-Rekord” steckt

Die BILD-Zeitung titelte: „Neuer, teurer Energie-Irrsinn: Wir zahlen dem Ausland jetzt dicke Strom-Prämien” Der Eindruck, den der Artikel erzeugen soll, ist klar: Deutschland produziert „zu viel Solarstrom”, verschenkt ihn ins Ausland, und die Steuerzahler tragen die Zeche. Diese Darstellung vertauscht Ursache und Wirkung. Um zu verstehen, was wirklich passiert, lohnt ein genauerer Blick auf die Zusammenhänge.

Strom wird in Europa viertelstündlich an Energiebörsen gehandelt. Anbieter und Nachfrager geben Gebote ab, daraus ergibt sich für jede Viertelstunde ein Preis. Steigt das Angebot stark an, während die Nachfrage gering bleibt – etwa an sonnigen Wochenenden oder Feiertagen –, kann der Preis ins Negative rutschen. Erzeuger müssen dann dafür zahlen, dass ihr Strom abgenommen wird. 2025 gab es rund 573 solcher Stunden, das klingt nach viel, entspricht aber nur etwa 6,5 Prozent aller Jahresstunden. Und in diesen Stunden wird deutlich weniger Strom erzeugt als im Jahresdurchschnitt, weil sie typischerweise in Schwachlastzeiten fallen. Die “verschenkten” Euro wiederum sind im Verhältnis zum Gesamtumsatz noch viel geringer.

Es ist kein Solarproblem – es ist ein Systemproblem

Bild verknüpft negative Preise direkt mit Solarstrom. Das greift zu kurz. Die eigentliche Ursache liegt in der mangelnden Flexibilität des restlichen Systems. Kohlekraftwerke können technisch nicht einfach für ein paar Stunden komplett heruntergefahren werden – das würde das Material durch thermische Belastung beschädigen. Also laufen sie auf Minimallast weiter und erzeugen genau den Überschuss, über den sich BILD dann empört. Bei Erdgas-BHKW verhält es sich ähnlich: Sie müssen oft weiterhin Wärme liefern oder haben feste Einspeisevergütungen für ihren Strom. Wer sich die Erzeugungsdaten auf Energy-Charts anschaut, erkennt das Muster sofort: Braunkohle, Gas und Biomasse laufen in den Überschussstunden weiter und produzieren ungefähr jene Strommenge, die den Überschuss ausmacht. Eine ehrlichere Bild-Schlagzeile wäre also: „Wahnsinn! Trotz Stromüberschuss laufen Kohle und Gas weiter!

Wer profitiert von niedrigen Preisen?

Was Bild konsequent verschweigt: Rund sieben Achtel des Stroms werden auch in Negativpreis-Stunden im Inland abgenommen. Niedrige und negative Großhandelspreise kommen also vor allem deutschen Betrieben und Verbrauchern zugute – denselben, über deren angeblich „teuerste Strompreise der Welt” dieselben Medien an anderen Tagen klagen. Der Zusammenhang ist in den Energy-Charts-Daten unmittelbar ablesbar: Je höher der Anteil erneuerbarer Energien im Netz, desto niedriger der Börsenpreis. Umgekehrt steigt der Preis mit jedem fossilen Kraftwerk, das den Strommix dominiert.

Der kleine Anteil, der ins Ausland fließt, ist ganz normaler europäischer Stromhandel. In einem gemeinsamen Strommarkt werden Überschüsse exportiert und Defizite importiert – Deutschland verkauft tagsüber bei Sonne und kauft nachts zurück. Das ist kein Skandal, sondern Grundfunktion des europäischen Verbundsystems. Dass der nächtliche Rückkauf teurer ist als der Tagesverkauf, ist dabei kein Argument gegen Solarstrom – sondern ein sehr deutliches Argument dafür, dass wir dringend mehr Speicherkapazität brauchen, um unseren eigenen Tagesüberschuss in die Nacht zu verschieben, statt ihn billig abzugeben und den Bedarf dann teuer fremd zu decken.

Zahlt der Steuerzahler „Prämien” ans Ausland?

Bild arbeitet mit dem Bild vom „armen deutschen Steuerzahler”, der ausländischen Versorgern Prämien finanziere. Auch das ist mindestens stark übertrieben. Seit dem Solarspitzengesetz von Februar 2025 gilt für neue Solaranlagen: Wenn der Börsenpreis über einen längeren Zeitraum negativ ist, wird keine Einspeisevergütung gezahlt. Betreiber erhalten also gerade dann kein Geld, wenn BILD von „Prämien” spricht. Die betroffenen Stunden werden am Ende der Förderlaufzeit angehängt. Von einem „Stromgeschenk plus Prämie” kann bei diesen Anlagen keine Rede sein.

Altanlagen mit fester Vergütung können in Einzelfällen noch Zahlungen erhalten. Aber diese Förderung wurde politisch beschlossen, um den Aufbau erneuerbarer Energien zu ermöglichen – eine Investition, die sich durch niedrigere Großhandelspreise und geringere Abhängigkeit von Gasimporten längst auszahlt. Zudem importieren wir im Gegenzug nachts Strom, unter anderem aus französischen Kernkraftwerken, deren Betrieb seinerseits massiv staatlich subventioniert ist. Wer also eine ehrliche Bilanz ziehen will, muss beides betrachten.

Die Lösung: Speicher und Flexibilität statt Erzeugungsbremse

Die nächtlichen Importlücken entsprechen in ihrer Größenordnung ungefähr dem täglichen Überschuss. Batteriespeicher könnten diesen Überschuss aufnehmen und abends wieder abgeben – günstiger und klimafreundlicher als der Umweg über Export und Reimport. Das Umweltbundesamt beschreibt Stromspeicher als zentrales Instrument, um erneuerbare Energien besser ins System zu integrieren. Der BDEW bezeichnet sie als „Multitools der Energiewende”. Die EU hat kürzlich beschlossen, ihre Speicherkapazität bis 2030 zu verdreifachen, um genau dieses Problem zu lösen.

Daneben brauchen wir flexible Verbraucher, die ihren Bedarf in Zeiten hoher Erzeugung verlagern. Australien zeigt, wie das aussehen kann: Dort erhalten Haushalte drei Stunden kostenlosen Strom zur Mittagszeit. Das kommt bei den Leuten gut an, schafft Anreize zur zeitlichen Verlagerung und ist für das System billiger als negative Börsenpreise. Die Initiative „Ladefreunde” aus Viernheim schlägt Ähnliches für E-Autos vor. Weitere Optionen sind die Produktion von grünem Methan oder Ethanol aus Stromüberschüssen, intelligente Wärmepumpensteuerung und ein schnellerer Netzausbau.

Was wir hingegen nicht brauchen, ist eine Abregelung der erneuerbaren Erzeugung. Genau das aber passiert zunehmend durch die sogenannte „kommerzielle Abregelung”: Direktvermarkter nehmen ihre Anlagen bei den ersten Anzeichen negativer Preise vom Netz, um nicht für eingespeisten Strom zahlen zu müssen. Im Ergebnis wird sauberer Strom nicht erzeugt – obwohl er bei vorhandenen Speichern oder flexiblen Verbrauchern einen Wert hätte. Das ist keine Lösung, sondern Verschwendung von Infrastruktur.

Warum solche Artikel jetzt erscheinen

Es ist kein Zufall, dass Springer-Medien diese Geschichten gerade jetzt platzieren. In den Springer-Medien haben wir abwechselnd „zu viel” oder „zu wenig” Strom, und beides ist jeweils eine Katastrophe – natürlich immer die Schuld der Erneuerbaren. Das Muster dient einem politischen Zweck: Um die fossile Agenda von Frau Reiche zu stützen, braucht es öffentliche Empörung, und was wäre effektiver als die drohende „Verarmung des Steuerzahlers”?

Die Wahrheit ist: Es ist im Kern positiv, dass wir große Mengen regenerativen Strom erzeugen. Erneuerbare deckten im ersten Halbjahr 2026 über 60 Prozent unseres Bedarfs, Solar war 2025 erstmals stärker als Braunkohle. Negative Preise sind kein Beweis gegen die Energiewende, sondern ein Hinweis darauf, wo wir nachbessern müssen – bei Speichern, Netzen, Flexibilität und Marktdesign. Nicht weniger Erzeugung ist die Antwort, sondern ein System, das den Überfluss für uns alle nutzt.

Balsaholz und Windenergie – Fakten zum Artikel von „Gegenwind“

Im Mitteilungsblatt wird behauptet, Rotorblätter von Windkraftanlagen würden in großem Umfang Tropenholz aus dem Regenwald nutzen und damit Umweltprobleme verursachen. Diese Darstellung greift reale Aspekte auf, lässt aber wichtige Einordnungen aus.

Der Balsabaum ist eine schnell wachsende und nicht bedrohte Pflanzenart, die in Südamerika heimisch ist. Er kann bereits nach vier bis sieben Jahren geerntet werden und wird daher häufig auf Plantagen angebaut. Das unterscheidet ihn grundsätzlich von klassischen Tropenhölzern aus langsam wachsenden Urwaldbäumen.

Screenshot aus https://www.youtube.com/watch?v=BjwaUVrNggA

Richtig ist: Balsaholz wird auch beim Bau von Rotorblättern verwendet, allerdings in begrenztem Umfang. Für ein Rotorblatt werden etwa 5 bis 6 m³ benötigt, der überwiegende Teil besteht aus Kunststoffen und Verbundmaterialien. Der Eindruck, Rotoren bestünden maßgeblich aus Holz, ist daher nicht zutreffend. Für ein Rotorblatt werden 10 – 30 Bäume benötigt, diese wachsen in einer Plantage auf einer Fläche von ca. 30 x 30 m.  

Ein Großteil des weltweit gehandelten Balsaholzes stammt aus Ecuador, mit einem Anteil von etwa 80 bis 90 Prozent. Dabei ist wichtig: Schon vor einigen Jahren gingen drei Viertel der Exporte nach Asien (hauptsächlich China), während Europa nur ca. 12% importiert. Dass durch deutsche Steuergelder Regenwald abgeholzt würde, ist daher nicht haltbar.

Tatsächlich gab es aber insbesondere um das Jahr 2020 herum Berichte über illegale Abholzungen infolge stark gestiegener Preise. Diese Situation war jedoch vor allem eine Folge eines kurzfristigen Nachfragebooms. Die europäische Windbranche gibt an, seit Jahren auf zertifizierte Lieferketten und langfristige Partner zu setzen und solche Praktiken nicht zu unterstützen.

Aktuell hat sich die Lage zudem weiter verändert: Aufgrund der damaligen Preissteigerungen und gestiegener Anforderungen an Nachhaltigkeit setzen viele Hersteller inzwischen verstärkt auf alternative Materialien wie Kunststoffschäume, die sich zudem leichter recyceln lassen. Diese werden Balsaholz mittelfristig vollständig ersetzen.

Zum Thema Förderung: Das sogenannte Referenzertragsmodell sorgt dafür, dass Windenergie nicht nur an wenigen besonders windreichen Standorten ausgebaut wird. Auch windärmere Regionen können wirtschaftlich beteiligt werden. Das dient einer ausgewogeneren Stromerzeugung und stabileren Netzen und reduziert damit die Gesamtkosten. Weiter Informationen hierzu finden Sie z.B. hier.

Wenn Ölkrisen Geschichte schreiben – und wir nichts daraus lernen

Die aktuelle Krise rund um die Straße von Hormus wirkt für viele Menschen wie ein plötzliches Ereignis. Tankstellenpreise steigen, blockierte Öltanker, beschossene Raffinerien, Regierungen geben strategische Reserven frei. Doch wer einen Blick in die Geschichte wirft, erkennt: Das ist kein neues Muster.

Schon während der ersten großen Ölkrise 1973 wurde der Welt schlagartig klar, wie abhängig unsere Wirtschaft von wenigen Förderregionen ist. 1979 folgte der nächste Schock, der ebenfalls vom Iran ausging. Immer wieder das gleiche Bild: Politische Konflikte, steigende Preise, hektische Notmaßnahmen.

Und jedes Mal dieselbe Frage: Warum sind wir noch immer so abhängig?

Heute reagiert die Politik wieder mit kurzfristigen Mitteln. Ölreserven werden freigegeben, über Preisregeln an Tankstellen wird diskutiert. Das kann den Druck für einige Wochen oder Monate mindern. Aber es ist keine Lösung, es kauft nur etwas Zeit.

Denn das eigentliche Problem bleibt gleich: Unsere Energieversorgung hängt noch immer an Öl und Gas aus politisch instabilen Regionen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich eine Frage: Ist es wirklich klug, dass die Koalition neue Gaskraftwerke plant, das Gebäudeenergiegesetz faktisch abschaffen und die Vergütung von Solarstrom streichen will – und damit unsere Abhängigkeit von Öl und Gas verlängert?

Dabei wird in der politischen Debatte oft ein Mythos wiederholt: Die Energiewende sei zu teuer. Tatsächlich zeigen die letzten Jahre das Gegenteil: Strom aus Wind und Sonne gehört heute weltweit zu den günstigsten Formen der Energieerzeugung. Einmal gebaut, brauchen diese Anlagen keinen Brennstoff. Keine Tanker, keine Pipelines, keine geopolitischen Risiken.

Auch für uns lohnt sich der Umstieg. Wer sein Dach mit Solarstrom nutzt, eine Wärmepumpe einbaut oder ein Elektroauto fährt, macht sich unabhängiger von schwankenden Öl- und Gaspreisen. Die Kosten sind am Anfang eine Investition – doch über die Jahre spart man Geld.

Für eine Volkswirtschaft gilt das umso mehr: Milliardenbeträge fließen jedes Jahr für Öl- und Gasimporte ins Ausland. 

Die Wahrheit ist unbequem: Echte Resilienz entsteht erst, wenn wir weniger Öl und Gas brauchen. Das bedeutet mehr Strom aus Sonne und Wind. Wärmepumpen statt Öl- und Gasheizungen. Elektroautos statt Benzin und Diesel. Politik kann dafür die Rahmenbedingungen setzen. Aber am Ende liegt es auch an uns – an unseren Investitionen und unserer Stimme.

Die Hormus-Krise erinnert uns an eine einfache Tatsache: Jede neue Ölkrise ist auch eine Mahnung. Die Frage ist nur, ob wir diesmal wirklich daraus lernen.

Bürgerbeteiligungen an Windparks: Irreführende Schlussfolgerungen

In einem kurzen Text übernimmt „Gegenwind Bergstraße“ zentrale Aussagen eines Beitrags von Manuel Frondel (RWI / INSM) zu Bürgerbeteiligungen an Windparks. Der Eindruck, der dabei entsteht, ist eindeutig: Windenergie sei wirtschaftlich riskant, volkswirtschaftlich ineffizient, ökologisch schädlich und klimapolitisch weitgehend wirkungslos.

Diese Schlussfolgerung hält einer sachlichen Prüfung nicht stand. Der zugrunde liegende Text arbeitet mit verkürzten Darstellungen, veralteten Annahmen, methodisch umstrittenen Studien und falschen Ableitungen aus der Forschung.

Inhaltsverzeichnis

Manuel Frondel – kein neutraler Wissenschaftler

Manuel Frondel wird als Energieökonom vorgestellt, der scheinbar nüchtern Risiken analysiert. Verschwiegen wird jedoch der institutionelle Kontext: Frondel ist seit Jahren einer der prominentesten Autoren in Kampagnen der INSM gegen die Förderung erneuerbarer Energien, sein Arbeitgeber, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) (eng verbunden mit dem Energiekonzern RWE) tritt wiederholt mit wertenden Beurteilungen der Energiewende auf, nicht nur mit wertfreier Analyse.

Angebliche Wertverluste von Immobilien

Frondel behauptet, Immobilien in der Nähe von Windkraftanlagen verlieren an Wert. Er stützt sich hierbei maßgeblich auf eine eigene Studie, die jedoch methodisch umstritten ist, nicht zuletzt weil sie nur Angebote statt tatsächliche Verkaufspreise nutzt und methodisch vereinfacht arbeitet – etwa durch ein lineares Modell, obwohl komplexere Modelle besser geeignet wären.

Demgegenüber steht eine breite internationale Literatur (USA, Dänemark, Großbritannien), deren überwiegendes Ergebnis lautet: Kein robuster, langfristiger, generalisierbarer Wertverlust, falls überhaupt Effekte auftreten, dann sind diese kurzfristig und lokal begrenzt, häufig überlagert von allgemeinen Marktbewegungen.

Frondel präsentiert damit eine Minderheitenposition als scheinbar gesicherten Befund.

„Falsche Windprognosen“ und der Mythos veralteter Indizes

Frondel und Gegenwind behaupten, zahlreiche Bürgerwindparks seien gescheitert, weil fehlerhafte Windprognosen auf Basis des BDB- bzw. Keiler-Häuser-Index verwendet worden seien.

Diese Darstellung ist zeitlich und fachlich überholt. Der BDB- bzw. Keiler-Häuser-Index wurde historisch als grobe Orientierungsgröße genutzt, er war nie die alleinige Grundlage professioneller Ertragsgutachten.

In der heutigen Planungspraxis spielen diese Indizes keine relevante Rolle mehr. Der aktuelle Stand der Technik sind Standortmessungen mit Messmasten und Laserscannern (Lidar/Sodar), mathematische Modelle der Windströmungen, Langzeitkorrekturen mit umfassenden Wetterdatensätzen sowie statistische Ertragsabschätzungen, die verschiedene Unsicherheiten ausdrücken.

Die pauschale Kritik vermischt frühe Projekte der Anfangsjahre der Windenergie
mit heutigen, hochstandardisierten Planungsverfahren.

Technische Risiken und Insolvenz: Triviales wird skandalisiert

Es wird suggeriert, Beteiligungen an Windparks seien hochriskant, da Anleger nachrangige Gläubiger seien und technische Schäden auftreten könnten.

Diese Aussage ist formal korrekt, aber inhaltlich banal: Jede unternehmerische Beteiligung ist kein Sparbuch. Windparks werden heute jedoch mit umfangreichen Risikoabsicherungen geplant, nämlich umfassende technische Versicherungen, Vollwartungsverträge, Garantien zur Verfügbarkeit der Anlagen, und umfassende finanzielle Prüfungen der Betreiberfirma.

Frondel stellt unternehmerisches Risiko so dar, als sei es ein spezifisches Defizit der Windenergie. Das ist irreführend.

Der Wasserbett-Effekt: Eine korrekte Beobachtung, falsch interpretiert

In seinem Text erwähnt Frondel den sogenannten Wasserbett-Effekt und verwendet ihn als angeblichen Beleg dafür, dass der Ausbau erneuerbarer Energien klimapolitisch wirkungslos sei, da Emissionsreduktionen durch den EU-Emissionshandel „neutralisiert“ würden.

Tatsächlich beschreibt die von ihm zitierte Studie der Universität Hamburg eine technische Wechselwirkung im europäischen Emissionshandel: Wenn weniger Emissionsrechte nachgefragt werden, sinkt der Preis, wodurch andere Marktteilnehmer unter Umständen mehr emittieren können.

Entscheidend ist jedoch: Die Studie erklärt nicht, dass erneuerbare Energien wirkungslos seien, stattdessen betont sie ausdrücklich die Rolle der Marktstabilitätsreserve (MSR), die überschüssige Emissionsrechte aus dem Markt nimmt. Für den deutschen Kohleausstieg kommt sie zu dem Schluss, dass er sehr wahrscheinlich zu realen Emissionsreduktionen geführt hat.

Der Wasserbett-Effekt ist damit kein Argument gegen erneuerbare Energien, sondern ein Hinweis auf die Notwendigkeit eines gut gestalteten Emissionshandelssystems.

Das Referenzertragsmodell: Falsche Schlussfolgerungen

Frondel behauptet, der Referenzertragsausgleich stelle eine ineffiziente Subvention dar, die „aus Steuergeldern“ finanziert werde und sich daher volkswirtschaftlich nicht lohne. Diese Darstellung ist verkürzt und in ihrer Schlussfolgerung irreführend.

Seit Juli 2022 wird die EEG-Förderung nicht mehr über eine Umlage auf den Strompreis, sondern über den Bundeshaushalt finanziert. Die heutige Haushaltsfinanzierung ist vor allem eine buchhalterische und verteilungspolitische Umstellung, keine grundsätzliche Neubewertung der Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

Zweitens wird das Referenzertragsmodell von Frondel systematisch missverstanden oder verzerrt dargestellt. Sein Zweck ist nicht, ineffiziente Standorte künstlich rentabel zu machen, sondern standortbedingte Windunterschiede teilweise auszugleichen, um eine extreme räumliche Konzentration des Windkraftausbaus zu vermeiden, regionale Akzeptanz zu fördern, die Netzausbaukosten zu begrenzen und eine gleichmäßigere Erzeugungsstruktur zu ermöglichen.

Drittens blendet die Argumentation vollständig aus, dass auch konventionelle Energieträger seit Jahrzehnten direkt und indirekt staatlich gestützt werden: durch Steuervergünstigungen, staatlich übernommene Risiken, Importabsicherung und vor allem durch die Nicht-Berücksichtigung externer Kosten wie Klimaschäden oder Gesundheitskosten. Die volkswirtschaftlichen Schäden durch fossile Energien – Klimafolgen, Gesundheitskosten, geopolitische Abhängigkeiten – übersteigen die Kosten der EEG-Förderung um ein Vielfaches.

Die Behauptung eines grundsätzlich „schlechten Nutzen-Kosten-Verhältnisses“ des Referenzertragsmodells ist daher nur haltbar, wenn man zentrale Vergleichsgrößen bewusst ausklammert. Sie ist weniger Ergebnis einer nüchternen Kosten-Nutzen-Analyse als Ausdruck einer politisch vorgeprägten Bewertung.

Fazit

Der Text von Frondel und die verkürzte Wiedergabe durch „Gegenwind Bergstraße“ ist kein sachlicher Beitrag zur Debatte über Bürgerbeteiligungen an Windparks. Er arbeitet mit selektiver Studienwahl, veralteten Annahmen, falschen Schlussfolgerungen aus seriöser Forschung und einem durchgängig negativen Framing.

Bürgerbeteiligungen an Windparks sind keine risikofreien Anlagen – das behauptet auch niemand. Sie sind jedoch ein erprobtes Instrument zur regionalen Wertschöpfung, Akzeptanzsteigerung und klimawirksamen Stromerzeugung. Wer das Gegenteil suggeriert, ohne sauber zwischen Risiken, Systemfragen und politischer Gestaltung zu unterscheiden, führt die Debatte nicht aufklärend, sondern verzerrend.

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