Die aktuelle Krise rund um die Straße von Hormus wirkt für viele Menschen wie ein plötzliches Ereignis. Tankstellenpreise steigen, blockierte Öltanker, beschossene Raffinerien, Regierungen geben strategische Reserven frei. Doch wer einen Blick in die Geschichte wirft, erkennt: Das ist kein neues Muster.

Schon während der ersten großen Ölkrise 1973 wurde der Welt schlagartig klar, wie abhängig unsere Wirtschaft von wenigen Förderregionen ist. 1979 folgte der nächste Schock, der ebenfalls vom Iran ausgieng. Immer wieder das gleiche Bild: Politische Konflikte, steigende Preise, hektische Notmaßnahmen.

Und jedes Mal dieselbe Frage: Warum sind wir noch immer so abhängig?

Heute reagiert die Politik wieder mit kurzfristigen Mitteln. Ölreserven werden freigegeben, über Preisregeln an Tankstellen wird diskutiert. Das kann den Druck für einige Wochen oder Monate mindern. Aber es ist keine Lösung, es kauft nur etwas Zeit.

Denn das eigentliche Problem bleibt gleich: Unsere Energieversorgung hängt noch immer an Öl und Gas aus politisch instabilen Regionen.

Vor diesem Hintergrund wirken die Pläne der Koalition wie der Ausbau neuer Gaskraftwerke, die Abschaffung des (2020 von der CDU beschlossenen) Gebäudeenergiegesetzes und der Einspeisevergütung für Solarstrom besonders widersprüchlich. Wer die Abhängigkeit von fossilen Energien verlängert, verlängert auch Krisen.

Dabei wird in der politischen Debatte oft ein Mythos wiederholt: Die Energiewende sei zu teuer. Tatsächlich zeigen die letzten Jahre das Gegenteil: Strom aus Wind und Sonne gehört heute weltweit zu den günstigsten Formen der Energieerzeugung. Einmal gebaut, brauchen diese Anlagen keinen Brennstoff. Keine Tanker, keine Pipelines, keine geopolitischen Risiken.

Auch für uns lohnt sich der Umstieg. Wer sein Dach mit Solarstrom nutzt, eine Wärmepumpe einbaut oder ein Elektroauto fährt, macht sich unabhängiger von schwankenden Öl- und Gaspreisen. Die Kosten sind am Anfang eine Investition – doch über die Jahre spart man Geld.

Für eine Volkswirtschaft gilt das umso mehr: Milliardenbeträge fließen jedes Jahr für Öl- und Gasimporte ins Ausland. 

Die Wahrheit ist unbequem: Echte Resilienz entsteht erst, wenn wir weniger Öl und Gas brauchen. Das bedeutet mehr Strom aus Sonne und Wind. Wärmepumpen statt Öl- und Gasheizungen. Elektroautos statt Benzin und Diesel. Politik kann dafür die Rahmenbedingungen setzen. Aber am Ende entscheiden wir persönlich mit unseren Investitionen und Entscheidungen.

Die Hormus-Krise erinnert uns an eine einfache Tatsache: Jede neue Ölkrise ist auch eine Mahnung. Die Frage ist nur, ob wir diesmal wirklich daraus lernen.