In sozialen Medien und einigen Zeitungen war zuletzt zu lesen: Der Weltklimarat habe zugegeben, dass seine Klimaprognosen falsch waren. Die Apokalypse falle aus. Doch was ist wirklich passiert – und warum ist die Behauptung irreführend?
Der Weltklimarat (IPCC) erstellt keine Vorhersagen, sondern rechnet verschiedene Szenarien durch – insgesamt sieben Stück für den nächsten Bericht. Jedes Szenario beschreibt eine andere Menge an künftigem CO₂-Ausstoß und die daraus folgenden Temperaturen. Die wahrscheinlichsten mittleren Szenarien bleiben dabei unverändert bestehen. Gestrichen wurde einzig das allerschlimmste Extrem: ein Szenario, in dem sich die weltweiten Emissionen bis 2100 verdreifachen und die Temperatur um fünf Grad steigt. Der Grund dafür ist eine gute Nachricht: Erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft boomen weltweit so stark – besonders in China –, dass eine solche Entwicklung nicht mehr realistisch ist. Klimaschutz zeigt also bereits Wirkung.

Genau hier liegt allerdings ein bekanntes Paradox, das sogenannte Präventionsparadox: Wenn Menschen etwas Gefährliches rechtzeitig verhindern, tritt das Schlimmste nicht ein. Manche behaupten dann im Nachhinein, man hätte gar nichts tun müssen. Genau diese Logik nutzen nun populistische Akteure, um den gesamten Klimaschutz in Frage zu stellen. Dabei ist das Gegenteil richtig: Das Extremszenario fällt weg, weil Gegenmaßnahmen gewirkt haben – nicht weil das Problem nie existierte.
Denn Entwarnung gibt es keineswegs. Die wahrscheinliche Erwärmung liegt weiterhin bei 2,5 bis 3 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts. Schon bei diesen Temperaturen drohen gravierende Folgen: Das Grönland-Eis schmilzt ab, der Meeresspiegel steigt langfristig um mehrere Meter, Korallenriffe sterben und der Golfstrom gerät ins Stocken. Für Europa hätte das Winter wie in Kanada zur Folge – Landwirtschaft in heutiger Form wäre kaum noch möglich.
Was jeder tun kann: Informieren Sie sich bei verlässlichen Quellen, bleiben Sie kritisch gegenüber reißerischen Schlagzeilen und scheuen Sie keine sachliche Diskussion. Die Klimakrise ist nicht abgesagt – aber mit entschlossenem Handeln können wir die schlimmsten Folgen noch abwenden.



























