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Balsaholz und Windenergie – Fakten zum Artikel von „Gegenwind“

Im Mitteilungsblatt wird behauptet, Rotorblätter von Windkraftanlagen würden in großem Umfang Tropenholz aus dem Regenwald nutzen und damit Umweltprobleme verursachen. Diese Darstellung greift reale Aspekte auf, lässt aber wichtige Einordnungen aus.

Der Balsabaum ist eine schnell wachsende und nicht bedrohte Pflanzenart, die in Südamerika heimisch ist. Er kann bereits nach vier bis sieben Jahren geerntet werden und wird daher häufig auf Plantagen angebaut. Das unterscheidet ihn grundsätzlich von klassischen Tropenhölzern aus langsam wachsenden Urwaldbäumen.

Screenshot aus https://www.youtube.com/watch?v=BjwaUVrNggA

Richtig ist: Balsaholz wird auch beim Bau von Rotorblättern verwendet, allerdings in begrenztem Umfang. Für ein Rotorblatt werden etwa 5 bis 6 m³ benötigt, der überwiegende Teil besteht aus Kunststoffen und Verbundmaterialien. Der Eindruck, Rotoren bestünden maßgeblich aus Holz, ist daher nicht zutreffend. Für ein Rotorblatt werden 10 – 30 Bäume benötigt, diese wachsen in einer Plantage auf einer Fläche von ca. 30 x 30 m.  

Ein Großteil des weltweit gehandelten Balsaholzes stammt aus Ecuador, mit einem Anteil von etwa 80 bis 90 Prozent. Dabei ist wichtig: Schon vor einigen Jahren gingen drei Viertel der Exporte nach Asien (hauptsächlich China), während Europa nur ca. 12% importiert. Dass durch deutsche Steuergelder Regenwald abgeholzt würde, ist daher nicht haltbar.

Tatsächlich gab es aber insbesondere um das Jahr 2020 herum Berichte über illegale Abholzungen infolge stark gestiegener Preise. Diese Situation war jedoch vor allem eine Folge eines kurzfristigen Nachfragebooms. Die europäische Windbranche gibt an, seit Jahren auf zertifizierte Lieferketten und langfristige Partner zu setzen und solche Praktiken nicht zu unterstützen.

Aktuell hat sich die Lage zudem weiter verändert: Aufgrund der damaligen Preissteigerungen und gestiegener Anforderungen an Nachhaltigkeit setzen viele Hersteller inzwischen verstärkt auf alternative Materialien wie Kunststoffschäume, die sich zudem leichter recyceln lassen. Diese werden Balsaholz mittelfristig vollständig ersetzen.

Zum Thema Förderung: Das sogenannte Referenzertragsmodell sorgt dafür, dass Windenergie nicht nur an wenigen besonders windreichen Standorten ausgebaut wird. Auch windärmere Regionen können wirtschaftlich beteiligt werden. Das dient einer ausgewogeneren Stromerzeugung und stabileren Netzen und reduziert damit die Gesamtkosten. Weiter Informationen hierzu finden Sie z.B. hier.

Wenn Ölkrisen Geschichte schreiben – und wir nichts daraus lernen

Die aktuelle Krise rund um die Straße von Hormus wirkt für viele Menschen wie ein plötzliches Ereignis. Tankstellenpreise steigen, blockierte Öltanker, beschossene Raffinerien, Regierungen geben strategische Reserven frei. Doch wer einen Blick in die Geschichte wirft, erkennt: Das ist kein neues Muster.

Schon während der ersten großen Ölkrise 1973 wurde der Welt schlagartig klar, wie abhängig unsere Wirtschaft von wenigen Förderregionen ist. 1979 folgte der nächste Schock, der ebenfalls vom Iran ausging. Immer wieder das gleiche Bild: Politische Konflikte, steigende Preise, hektische Notmaßnahmen.

Und jedes Mal dieselbe Frage: Warum sind wir noch immer so abhängig?

Heute reagiert die Politik wieder mit kurzfristigen Mitteln. Ölreserven werden freigegeben, über Preisregeln an Tankstellen wird diskutiert. Das kann den Druck für einige Wochen oder Monate mindern. Aber es ist keine Lösung, es kauft nur etwas Zeit.

Denn das eigentliche Problem bleibt gleich: Unsere Energieversorgung hängt noch immer an Öl und Gas aus politisch instabilen Regionen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich eine Frage: Ist es wirklich klug, dass die Koalition neue Gaskraftwerke plant, das Gebäudeenergiegesetz faktisch abschaffen und die Vergütung von Solarstrom streichen will – und damit unsere Abhängigkeit von Öl und Gas verlängert?

Dabei wird in der politischen Debatte oft ein Mythos wiederholt: Die Energiewende sei zu teuer. Tatsächlich zeigen die letzten Jahre das Gegenteil: Strom aus Wind und Sonne gehört heute weltweit zu den günstigsten Formen der Energieerzeugung. Einmal gebaut, brauchen diese Anlagen keinen Brennstoff. Keine Tanker, keine Pipelines, keine geopolitischen Risiken.

Auch für uns lohnt sich der Umstieg. Wer sein Dach mit Solarstrom nutzt, eine Wärmepumpe einbaut oder ein Elektroauto fährt, macht sich unabhängiger von schwankenden Öl- und Gaspreisen. Die Kosten sind am Anfang eine Investition – doch über die Jahre spart man Geld.

Für eine Volkswirtschaft gilt das umso mehr: Milliardenbeträge fließen jedes Jahr für Öl- und Gasimporte ins Ausland. 

Die Wahrheit ist unbequem: Echte Resilienz entsteht erst, wenn wir weniger Öl und Gas brauchen. Das bedeutet mehr Strom aus Sonne und Wind. Wärmepumpen statt Öl- und Gasheizungen. Elektroautos statt Benzin und Diesel. Politik kann dafür die Rahmenbedingungen setzen. Aber am Ende liegt es auch an uns – an unseren Investitionen und unserer Stimme.

Die Hormus-Krise erinnert uns an eine einfache Tatsache: Jede neue Ölkrise ist auch eine Mahnung. Die Frage ist nur, ob wir diesmal wirklich daraus lernen.

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