Seit Anfang Juli brennen die Wälder Südeuropas und Nordafrikas in einem Ausmaß, das selbst erfahrene Einsatzkräfte an ihre Grenzen bringt. In Frankreich wurden bis Mitte Juli über 42.000 Hektar Wald vernichtet, in Spanien und Portugal gibt es Feuer, die jeweils mehr als 13.000 Hektar zerstört haben – Flächen größer als Sylt. EU-weit sind seit Jahresbeginn rund 155.000 Hektar verbrannt, etwa 16 Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt. Und das sind nur die europäischen Zahlen: In Tunesien, wo Temperaturen von fast 50 Grad herrschen, brachen innerhalb von 72 Stunden mindestens 900 Brände aus. Die tunesische Strom- und Gasgesellschaft führt unangekündigte Stromabschaltungen durch – Klimaanlagen, Wasserversorgung und Mobilfunknetze fallen aus.

Die Satellitenkarte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) macht das Ausmaß sichtbar: Gelbe und orangefarbene Markierungen überziehen Spanien, Südfrankreich und Norditalien. Wer sich die interaktive Karte anschaut, erkennt eine zusammenhängende Landschaft aus Brandnarben, die sich vom Ebro-Delta bis in die Alpenausläufer zieht. Das ist kein „lokales Feuerchen”, sondern eine regionale Katastrophe.

Die Brände sind kein reines „Naturereignis”. Studien belegen klar: Der Klimawandel begünstigt das sogenannte Feuerwetter – heiß, trocken, windig. Verschärfend kommt hinzu, dass der feuchte Frühling ein starkes Wachstum von Gras und Büschen ermöglichte, das anschließend vertrocknete und als Zunder im Unterholz stand. Zudem dominieren in vielen Regionen Kiefern und Eukalyptus in Monokulturen – Baumarten, die leicht brennbare Terpene enthalten und statt natürlicher Eichen- und Kastanienwälder gepflanzt wurden.

Mindestens ebenso erschreckend sind die Opferzahlen abseits der Flammen. Das Robert Koch-Institut schätzt allein für Deutschland bis Mitte Juli fast 10.000 hitzebedingte Todesfälle. Europaweit gehen Schätzungen von über 20.000 zusätzlichen Toten aus – mehr als beim Kosovo-Krieg. Hitze tötet selten plötzlich; sie verschlimmert Herz-Kreislauf-Leiden, überlastet den Körper älterer und chronisch kranker Menschen, bis er nicht mehr kompensieren kann. Besonders gefährdet sind Menschen in schlecht gedämmten Wohnungen, die allein leben oder sich keine Kühlung leisten können.

Die WHO erinnert daran: In den vergangenen vier Jahren sind in Europa über 200.000 Menschen an Hitze gestorben – die meisten Todesfälle wären vermeidbar gewesen. Vermeidbar heißt: politisch entscheidbar. Hitzeaktionspläne, kühle öffentliche Räume, Entsiegelung, Grünflächen und angepasste Arbeitszeiten retten Leben. Und natürlich: der schnellstmögliche Ausstieg aus fossilen Energien, die diese Extreme anheizen. Wenn sich Politiker wie unser Bundeskanzler darauf beschränken, „die Situation zu beobachten”, während Zehntausende sterben und Hunderttausende Hektar verbrennen, dann ist das keine Besonnenheit – sondern Verweigerung.

Die DLR-Brandkarte ist unter https://services.zki.dlr.de/fire frei zugänglich. Man sollte sie sich anschauen. Und dann fragen: Worüber streiten wir eigentlich noch?