Viele Argumente gegen Windkraft folgen demselben Muster: Sie haben einen wahren Kern – aber ohne Zahlen zur Einordnung werden sie stark übertrieben und verzerren das Bild.

Ein Beispiel ist der Hinweis auf den Kupferverbrauch von Windrädern und auf umweltschädlichen Kupferbergbau in Peru. Ja, in einem modernen Windrad steckt viel Kupfer. Fachleute geben für eine große Anlage an Land etwa 30 Tonnen Kupfer an, wenn man nicht nur die Anlage selbst, sondern auch Kabel und Netzanschluss mitrechnet. Das klingt nach einer riesigen Menge – und wird oft so stehen gelassen.

Schauen wir genauer hin: Deutschland will die Windkraft an Land bis 2030 von heute 63,5 auf 115 Gigawatt ausbauen. Dafür braucht man rund 7.000 bis 8.600 neue Windräder. Bei 30 Tonnen Kupfer pro Anlage ergibt das verteilt auf sechs Jahre etwa 35.000 bis 40.000 Tonnen pro Jahr.

Ist das viel? In Deutschland werden jährlich rund eine Million Tonnen Kupfer verbraucht – für Häuser, Stromnetze, Autos, Maschinen, Elektronik und vieles mehr. Der Windkraft-Anteil liegt bei nur 3 bis 4 Prozent. Und da schon heute etwa 40 bis 45 Prozent des Kupfers aus Recycling stammen, müssen für Windräder jährlich nur rund 20.000 Tonnen als Neu-Kupfer aus Minen kommen.

Zugleich gibt es weltweit tatsächlich ernsthafte Probleme beim Kupferabbau: Konflikte um Wasser, Schäden an Böden und Flüssen, Belastungen für die Gesundheit der Menschen vor Ort. Hilfsorganisationen wie Misereor fordern zu Recht, dass Unternehmen ihre Lieferketten auf Menschenrechts- und Umweltstandards prüfen. Diese Kritik am Bergbau ist wichtig und berechtigt – sie betrifft aber den gesamten Kupferverbrauch unserer Gesellschaft, nicht speziell die Windkraft.

Denn auch hier hilft eine Zahl: Die peruanische Mine Quellaveco zum Beispiel fördert rund 300.000 Tonnen Kupfer pro Jahr. Selbst wenn man annimmt, alles Neu-Kupfer für deutsche Windräder käme aus genau dieser einen Mine, wären das nur gut 3 Prozent ihrer Jahresproduktion. Die restlichen 97 Prozent fließen in ganz andere Produkte weltweit.

Wer über Kupfer und Windkraft spricht, sollte die ganze Rechnung zeigen: Ja, Windräder brauchen Kupfer. Aber ihr Anteil am Gesamtverbrauch ist überschaubar, das Material ist gut recycelbar, und der erzeugte Strom vermeidet über Jahrzehnte hinweg deutlich mehr Umweltbelastung, als durch das verwendete Kupfer entsteht. Man muss sich wieder einmal die Frage stellen, warum Umweltprobleme bei der Förderung von Rohstoffen immer nur genau dann problematisch sind, wenn diese Rohstoffe auch für erneuerbare Energien benötigt werden.