Rückenwind für Klimaschutz!

Schlagwort: Deutschland

Analyse des Vereins DSGS (Deutsche Schutzgemeinschaft Schall)

Internetseite der Organisation: https://www.dsgs-info.de/

Disclaimer: Die folgende Analyse wurde vollständig von ChatGPT verfasst.

Die DSGS ist ein realer, eingetragener Verein und nicht einfach eine erfundene Internetorganisation. Als Quelle für eine neutrale wissenschaftliche Einordnung von Infraschall ist die DSGS allerdings nur eingeschränkt geeignet, da sie selbst eine klare Position zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Infraschall und zum Ausbau der Windenergie vertritt und wissenschaftlich umstrittene bzw. nicht belegte Hypothesen vielfach als gesicherte Tatsachen darstellt.

1. Ist das überhaupt ein „richtiger“ Verein?

Ja.

Die „Deutsche Schutz-Gemeinschaft Schall für Mensch und Tier e.V.“ ist beim Amtsgericht Düren unter VR 2731 eingetragen. Die Satzung bezeichnet den Verein als gemeinnützig und nennt als Vereinszweck unter anderem Umwelt- und Gesundheitsschutz, Schallschutz, Unterstützung von Selbsthilfegruppen und ausdrücklich auch die Einflussnahme auf Gesetzgeber und Verwaltung.

Das ist aber eine wichtige Unterscheidung:

„Eingetragener/gemeinnütziger Verein“ bedeutet nicht „wissenschaftlich unabhängige oder wissenschaftlich zuverlässige Quelle“.

Ein Verein darf selbstverständlich eine politische oder gesellschaftliche Position vertreten. Und genau das tut die DSGS.

Interessant ist auch die Zusammensetzung der Mitglieder: Die DSGS selbst gibt an, dass etwa 72 % ihrer Mitglieder durch Windräder schallbetroffen seien, weitere 18 % durch andere technische Anlagen und nur rund 10 % Mediziner, Ingenieure und Naturwissenschaftler.

Das spricht schon eher für eine Betroffenen- bzw. Interessenorganisation als für eine wissenschaftliche Fachgesellschaft.

2. Ist der Verein gegen Windräder?

Sehr deutlich: ja.

Das ist nicht bloß eine Interpretation von mir. Die DSGS hat beispielsweise Pressemitteilungen mit Titeln wie „Windräder erzeugen krankmachenden Infraschall“ veröffentlicht und 2019 ausdrücklich vor der „weitere[n] Nutzung und Ausbau der Windräder“ gewarnt.

Noch deutlicher wird es auf der aktuellen Infraschall-Seite. Dort heißt es unter anderem:

„Die stärksten Infraschall-Quellen sind Windräder.“

und es wird behauptet, Windräder könnten über viele Kilometer gesundheitsschädliche Wirkungen entfalten.

Die DSGS stellt außerdem eine eigene Anleitung bereit, was man tun soll, „wenn der Bau von Windrädern in der Nähe droht“.

3. Das größere Problem: Was behauptet die DSGS wissenschaftlich?

Die DSGS behauptet auf ihrer Infraschall-Seite unter anderem, technisch erzeugter Infraschall verursache bzw. könne verursachen:

  • Herzrhythmusstörungen
  • irreversible Herzmuskelveränderungen
  • Tinnitus
  • Gefäßentzündungen
  • reduzierte Fruchtbarkeit
  • Fehlgeburten und Missbildungen
  • Alzheimer
  • Epilepsie
  • Herzinsuffizienz
  • Krebs
  • Störungen des Immunsystems

und vieles mehr.

Das ist eine außerordentlich weitreichende Behauptung.

Das Problem ist nicht, dass solche Hypothesen überhaupt untersucht werden. Wissenschaftlich darf man selbstverständlich auch ungewöhnliche Hypothesen aufstellen.

Das Problem ist die Darstellung des Evidenzgrades.

Die DSGS formuliert häufig so, als seien diese Zusammenhänge bereits nachgewiesen. Die unabhängige wissenschaftliche Literatur gibt diesen Evidenzgrad aber gerade nicht her.

Das Umweltbundesamt hat beispielsweise eine umfangreiche Untersuchung zu den Wirkungen von Infraschall durchgeführt. Das Forschungsvorhaben untersuchte experimentell mögliche körperliche Reaktionen und das Lästigkeitsempfinden bei Infraschall.

Eine medizinisch-physikalische Übersichtsarbeit von Koch, Holzheu und Hundhausen kommt zu dem Ergebnis, dass es keine Evidenz für gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Windenergieanlagen gibt. Die Autoren fanden insbesondere keinen Zusammenhang mit Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Bluthochdruck; bei Schlafmitteln gab es zwar einen Zusammenhang, objektiv gemessene Schlafparameter zeigten diesen jedoch nicht.

Das bedeutet nicht „Infraschall ist grundsätzlich harmlos“. Es bedeutet vielmehr:

Für die Behauptung, dass der von Windkraftanlagen erzeugte Infraschall in den üblichen Abständen schwere Erkrankungen verursacht, gibt es derzeit keine robuste wissenschaftliche Evidenz.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

4. Ein Beispiel für diese Argumentationsweise ist die Bezugnahme auf den Medizin-Nobelpreis 2021

Die DSGS schreibt:

„Der Nobelpreis für Medizin 2021 ebnete neue Einblicke zum Infraschallthema.“

Das klingt zunächst sehr überzeugend. Aber hier wird eine wissenschaftliche Erkenntnis in einen anderen Kontext übertragen.

Der Nobelpreis für Medizin 2021 ging an David Julius und Ardem Patapoutian für die Entdeckung von Rezeptoren bzw. Mechanismen der Temperatur- und Berührungswahrnehmung.

Patapoutians Arbeiten zu mechanosensitiven Ionenkanälen, insbesondere PIEZO1/PIEZO2, sind reale und wichtige Grundlagenforschung.

Aus diesen grundlegenden Erkenntnissen folgt allerdings nicht ohne Weiteres, dass die von Windenergieanlagen emittierten Infraschallanteile bei den in der Umgebung auftretenden Pegeln entsprechende gesundheitliche Wirkungen wie Herzschäden, Krebs, Fehlgeburten, Alzheimer usw. auslösen.

Das ist eine wissenschaftlich sehr viel weitergehende Schlussfolgerung als die Nobelpreis-ausgezeichnete Grundlagenforschung selbst hergibt.

5. Die zentrale wissenschaftliche Figur im Vorstand: Dr. Ursula Bellut-Staeck

Hier lohnt sich ein genauerer Blick.

Ursula Bellut-Staeck ist tatsächlich Ärztin und hat Humanmedizin studiert. In ihrer eigenen wissenschaftlichen Biografie wird sie als Fachärztin für Allgemeinmedizin und Notfallmedizin beschrieben; ihre Forschungsinteressen umfassen unter anderem Mikrozirkulation, kardiovaskuläre Physiologie und Gefäßbiologie.

Sie ist also keine Person ohne medizinische Qualifikation. Das sollte man fairerweise ausdrücklich sagen.

Sie ist gleichzeitig die wissenschaftliche Vertreterin derjenigen Hypothese, die bei der DSGS eine zentrale Rolle spielt: dass chronischer, insbesondere gepulster Infraschall über Mechanotransduktion und PIEZO-Kanäle die Endothelfunktion und Mikrozirkulation beeinträchtigt.

Sie hat dazu mehrere Arbeiten veröffentlicht. Die DSGS führt diese selbst als wissenschaftliche Nachweise auf.

Aber auch hier gibt es einen wichtigen Punkt: Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hat Bellut-Staecks Hypothese ausdrücklich bewertet. Ihre Schlussfolgerung lautet, dass es sich bei der behaupteten Wirkung im Wesentlichen um „spekulative Überlegungen“ zu möglichen Einflüssen von Schall auf die Mikrozirkulation handelt. Als möglicher Mechanismus wird auch dort PIEZO1 genannt.

Das ist meines Erachtens eine ziemlich wichtige Einordnung.

Man kann also durchaus sagen:

Bellut-Staeck ist eine reale Ärztin und veröffentlicht wissenschaftlich. Ihre zentrale Infraschall-Hypothese ist aber nicht mit einer etablierten wissenschaftlichen Tatsache gleichzusetzen.

6. Auch die Publikation selbst sollte man richtig einordnen

Bellut-Staeck hat beispielsweise 2023 einen Artikel zum Thema Endothel und Mikrozirkulation veröffentlicht. Die DSGS verwendet diesen als wissenschaftlichen Beleg.

Interessanterweise zitiert dieser Artikel selbst die gegenteilige wissenschaftliche Position. In einem Leserbrief von Bellut-Staeck in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift wird beispielsweise ausdrücklich die Arbeit von Koch et al. genannt, deren Titel lautet:

„Windenergieanlagen und Infraschall: Keine Evidenz für gesundheitliche Beeinträchtigungen“.

Es gibt also tatsächlich eine wissenschaftliche Kontroverse.

Das Entscheidende ist aber:

Kontroverse ≠ gleichgewichteter Forschungsstand.

Dass eine Ärztin eine Hypothese publiziert, beweist noch nicht, dass diese Hypothese epidemiologisch bestätigt wurde.

7. Was ist mit der Behauptung „bis zu 15 km“?

Diese Angabe bedarf einer näheren Einordnung. Die DSGS behauptet aktuell, die Wissenschaft schätze einen schädlichen Radius von bis zu 15 km um Windkraftanlagen.

Das ist nicht dasselbe wie:

„Infraschall kann in 15 km Entfernung noch physikalisch nachgewiesen werden.“

Und es ist erst recht nicht dasselbe wie:

„In 15 km Entfernung verursacht dieser Infraschall gesundheitliche Schäden.“

Hier werden drei unterschiedliche Dinge vermischt:

  1. physikalische Ausbreitung,
  2. Messbarkeit,
  3. gesundheitliche Wirkung.

Dass sich tieffrequenter Schall über größere Entfernungen ausbreiten kann, ist unproblematisch. Daraus folgt aber nicht automatisch eine gesundheitlich relevante Exposition.

Genau diese Trennung ist bei der Bewertung der DSGS besonders wichtig.

8. Und was ist über den Vorstand bekannt?

Die DSGS nennt auf ihrer Website als Vorstand Peter P. Jaeger (1. Vorsitzender), Reinhard Hollenhorst (2. Vorsitzender), Isolde Reichert (Schatzmeisterin), Dipl.-Ing. Matthias Eck (Schriftführer) sowie Dr. Jörg Reichert und Dr. med. Ursula Bellut-Staeck als Beisitzer.

Zu Peter P. Jaeger finden sich öffentlich Angaben zu seiner Tätigkeit als Maler- und Lackierermeister sowie als Sachverständiger für das Maler- und Lackiererhandwerk.

Dipl.-Ing. Matthias Eck wird mit seinem akademischen Abschluss als Diplom-Ingenieur geführt. Weitere öffentlich zugängliche Angaben betreffen insbesondere seine Tätigkeit innerhalb der DSGS und sein Engagement im Zusammenhang mit dem Thema Windenergie und Schall.

Dr. med. Ursula Bellut-Staeck ist Ärztin und hat sich wissenschaftlich mit den möglichen biologischen Wirkungen tieffrequenter Schallimmissionen beschäftigt. Zu ihren Forschungsthemen gehören unter anderem die Mikrozirkulation, das Gefäßendothel und mögliche biologische Reaktionen auf mechanische Reize. Sie hat hierzu wissenschaftliche Veröffentlichungen vorgelegt und vertritt die Auffassung, dass insbesondere tieffrequenter bzw. gepulster Schall biologische Auswirkungen auf die Gefäßfunktion haben kann.

Zu Reinhard Hollenhorst, Isolde Reichert und Dr. Jörg Reichert sind auf der Website der DSGS und in öffentlich zugänglichen Quellen vor allem ihre Funktionen innerhalb des Vereins dokumentiert.

Die Zusammensetzung des Vorstands zeigt damit unterschiedliche berufliche Hintergründe. Eine ausführliche Darstellung der wissenschaftlichen Qualifikationen sämtlicher Vorstandsmitglieder findet sich in den öffentlich zugänglichen Informationen des Vereins nicht.

9. Ein interessanter Hinweis auf die politische Vernetzung

Es gibt außerdem öffentlich zugängliche Registerdaten, die frühere Vorstandsverbindungen dokumentieren. Danach gab es unter anderem Verbindungen zwischen der DSGS und dem Landesverband Vernunftkraft Hessen, einem Zusammenschluss von Windkraft-kritischen Bürgerinitiativen.

10. Wo die DSGS durchaus einen legitimen Punkt hat

Man sollte jetzt nicht in das andere Extrem fallen.

Es ist durchaus legitim, auf mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Lärm und tieffrequentem Schall hinzuweisen. Lärm kann gesundheitlich relevant sein, insbesondere hinsichtlich Belästigung, Schlaf und kardiovaskulärer Risiken. Auch die WHO erkennt Umweltlärm als relevantes Gesundheitsproblem an und nennt Windenergieanlagen ausdrücklich als eine mögliche Lärmquelle.

Ebenso ist es völlig legitim, die Messmethodik, Grenzwerte oder die Berücksichtigung tieffrequenter Geräusche kritisch zu hinterfragen.

Auch die Frage, ob bestimmte besonders empfindliche Personen stärker reagieren, ist wissenschaftlich nicht völlig uninteressant.

Der Fehler besteht darin, von

„Hier gibt es noch Forschungsfragen und manche Menschen leiden unter Geräuschen“

zu

„Windkraft-Infraschall verursacht über Kilometer hinweg Herzschäden, Krebs, Fehlgeburten, Alzheimer usw.“

zu springen.

Für diesen zweiten Schritt fehlt die entsprechende Evidenz.

Meine Gesamtbewertung

Die DSGS ist ein realer, eingetragener Verein mit tatsächlich betroffenen Mitgliedern und einzelnen fachlich qualifizierten Personen. Sie ist aber keine neutrale wissenschaftliche Institution. Ihre öffentliche Kommunikation ist stark windkraftkritisch und stellt mögliche Wirkmechanismen und einzelne Forschungsergebnisse teilweise als Beleg für konkrete gesundheitliche Folgen dar, obwohl diese Schlussfolgerungen wissenschaftlich nicht allgemein etabliert sind. Deshalb ist sie als Interessenvertretung ernst zu nehmen, als wissenschaftliche Autorität zur Frage „Wie gefährlich ist Windkraft-Infraschall?“ jedoch mit erheblicher Vorsicht zu behandeln.

Negative Strompreise: Was wirklich hinter dem „Solarstrom-Rekord” steckt

Die BILD-Zeitung titelte: „Neuer, teurer Energie-Irrsinn: Wir zahlen dem Ausland jetzt dicke Strom-Prämien” Der Eindruck, den der Artikel erzeugen soll, ist klar: Deutschland produziert „zu viel Solarstrom”, verschenkt ihn ins Ausland, und die Steuerzahler tragen die Zeche. Diese Darstellung vertauscht Ursache und Wirkung. Um zu verstehen, was wirklich passiert, lohnt ein genauerer Blick auf die Zusammenhänge.

Strom wird in Europa viertelstündlich an Energiebörsen gehandelt. Anbieter und Nachfrager geben Gebote ab, daraus ergibt sich für jede Viertelstunde ein Preis. Steigt das Angebot stark an, während die Nachfrage gering bleibt – etwa an sonnigen Wochenenden oder Feiertagen –, kann der Preis ins Negative rutschen. Erzeuger müssen dann dafür zahlen, dass ihr Strom abgenommen wird. 2025 gab es rund 573 solcher Stunden, das klingt nach viel, entspricht aber nur etwa 6,5 Prozent aller Jahresstunden. Und in diesen Stunden wird deutlich weniger Strom erzeugt als im Jahresdurchschnitt, weil sie typischerweise in Schwachlastzeiten fallen. Die “verschenkten” Euro wiederum sind im Verhältnis zum Gesamtumsatz noch viel geringer.

Es ist kein Solarproblem – es ist ein Systemproblem

Bild verknüpft negative Preise direkt mit Solarstrom. Das greift zu kurz. Die eigentliche Ursache liegt in der mangelnden Flexibilität des restlichen Systems. Kohlekraftwerke können technisch nicht einfach für ein paar Stunden komplett heruntergefahren werden – das würde das Material durch thermische Belastung beschädigen. Also laufen sie auf Minimallast weiter und erzeugen genau den Überschuss, über den sich BILD dann empört. Bei Erdgas-BHKW verhält es sich ähnlich: Sie müssen oft weiterhin Wärme liefern oder haben feste Einspeisevergütungen für ihren Strom. Wer sich die Erzeugungsdaten auf Energy-Charts anschaut, erkennt das Muster sofort: Braunkohle, Gas und Biomasse laufen in den Überschussstunden weiter und produzieren ungefähr jene Strommenge, die den Überschuss ausmacht. Eine ehrlichere Bild-Schlagzeile wäre also: „Wahnsinn! Trotz Stromüberschuss laufen Kohle und Gas weiter!

Wer profitiert von niedrigen Preisen?

Was Bild konsequent verschweigt: Rund sieben Achtel des Stroms werden auch in Negativpreis-Stunden im Inland abgenommen. Niedrige und negative Großhandelspreise kommen also vor allem deutschen Betrieben und Verbrauchern zugute – denselben, über deren angeblich „teuerste Strompreise der Welt” dieselben Medien an anderen Tagen klagen. Der Zusammenhang ist in den Energy-Charts-Daten unmittelbar ablesbar: Je höher der Anteil erneuerbarer Energien im Netz, desto niedriger der Börsenpreis. Umgekehrt steigt der Preis mit jedem fossilen Kraftwerk, das den Strommix dominiert.

Der kleine Anteil, der ins Ausland fließt, ist ganz normaler europäischer Stromhandel. In einem gemeinsamen Strommarkt werden Überschüsse exportiert und Defizite importiert – Deutschland verkauft tagsüber bei Sonne und kauft nachts zurück. Das ist kein Skandal, sondern Grundfunktion des europäischen Verbundsystems. Dass der nächtliche Rückkauf teurer ist als der Tagesverkauf, ist dabei kein Argument gegen Solarstrom – sondern ein sehr deutliches Argument dafür, dass wir dringend mehr Speicherkapazität brauchen, um unseren eigenen Tagesüberschuss in die Nacht zu verschieben, statt ihn billig abzugeben und den Bedarf dann teuer fremd zu decken.

Zahlt der Steuerzahler „Prämien” ans Ausland?

Bild arbeitet mit dem Bild vom „armen deutschen Steuerzahler”, der ausländischen Versorgern Prämien finanziere. Auch das ist mindestens stark übertrieben. Seit dem Solarspitzengesetz von Februar 2025 gilt für neue Solaranlagen: Wenn der Börsenpreis über einen längeren Zeitraum negativ ist, wird keine Einspeisevergütung gezahlt. Betreiber erhalten also gerade dann kein Geld, wenn BILD von „Prämien” spricht. Die betroffenen Stunden werden am Ende der Förderlaufzeit angehängt. Von einem „Stromgeschenk plus Prämie” kann bei diesen Anlagen keine Rede sein.

Altanlagen mit fester Vergütung können in Einzelfällen noch Zahlungen erhalten. Aber diese Förderung wurde politisch beschlossen, um den Aufbau erneuerbarer Energien zu ermöglichen – eine Investition, die sich durch niedrigere Großhandelspreise und geringere Abhängigkeit von Gasimporten längst auszahlt. Zudem importieren wir im Gegenzug nachts Strom, unter anderem aus französischen Kernkraftwerken, deren Betrieb seinerseits massiv staatlich subventioniert ist. Wer also eine ehrliche Bilanz ziehen will, muss beides betrachten.

Die Lösung: Speicher und Flexibilität statt Erzeugungsbremse

Die nächtlichen Importlücken entsprechen in ihrer Größenordnung ungefähr dem täglichen Überschuss. Batteriespeicher könnten diesen Überschuss aufnehmen und abends wieder abgeben – günstiger und klimafreundlicher als der Umweg über Export und Reimport. Das Umweltbundesamt beschreibt Stromspeicher als zentrales Instrument, um erneuerbare Energien besser ins System zu integrieren. Der BDEW bezeichnet sie als „Multitools der Energiewende”. Die EU hat kürzlich beschlossen, ihre Speicherkapazität bis 2030 zu verdreifachen, um genau dieses Problem zu lösen.

Daneben brauchen wir flexible Verbraucher, die ihren Bedarf in Zeiten hoher Erzeugung verlagern. Australien zeigt, wie das aussehen kann: Dort erhalten Haushalte drei Stunden kostenlosen Strom zur Mittagszeit. Das kommt bei den Leuten gut an, schafft Anreize zur zeitlichen Verlagerung und ist für das System billiger als negative Börsenpreise. Die Initiative „Ladefreunde” aus Viernheim schlägt Ähnliches für E-Autos vor. Weitere Optionen sind die Produktion von grünem Methan oder Ethanol aus Stromüberschüssen, intelligente Wärmepumpensteuerung und ein schnellerer Netzausbau.

Was wir hingegen nicht brauchen, ist eine Abregelung der erneuerbaren Erzeugung. Genau das aber passiert zunehmend durch die sogenannte „kommerzielle Abregelung”: Direktvermarkter nehmen ihre Anlagen bei den ersten Anzeichen negativer Preise vom Netz, um nicht für eingespeisten Strom zahlen zu müssen. Im Ergebnis wird sauberer Strom nicht erzeugt – obwohl er bei vorhandenen Speichern oder flexiblen Verbrauchern einen Wert hätte. Das ist keine Lösung, sondern Verschwendung von Infrastruktur.

Warum solche Artikel jetzt erscheinen

Es ist kein Zufall, dass Springer-Medien diese Geschichten gerade jetzt platzieren. In den Springer-Medien haben wir abwechselnd „zu viel” oder „zu wenig” Strom, und beides ist jeweils eine Katastrophe – natürlich immer die Schuld der Erneuerbaren. Das Muster dient einem politischen Zweck: Um die fossile Agenda von Frau Reiche zu stützen, braucht es öffentliche Empörung, und was wäre effektiver als die drohende „Verarmung des Steuerzahlers”?

Die Wahrheit ist: Es ist im Kern positiv, dass wir große Mengen regenerativen Strom erzeugen. Erneuerbare deckten im ersten Halbjahr 2026 über 60 Prozent unseres Bedarfs, Solar war 2025 erstmals stärker als Braunkohle. Negative Preise sind kein Beweis gegen die Energiewende, sondern ein Hinweis darauf, wo wir nachbessern müssen – bei Speichern, Netzen, Flexibilität und Marktdesign. Nicht weniger Erzeugung ist die Antwort, sondern ein System, das den Überfluss für uns alle nutzt.

Balsaholz und Windenergie – Fakten zum Artikel von „Gegenwind“

Im Mitteilungsblatt wird behauptet, Rotorblätter von Windkraftanlagen würden in großem Umfang Tropenholz aus dem Regenwald nutzen und damit Umweltprobleme verursachen. Diese Darstellung greift reale Aspekte auf, lässt aber wichtige Einordnungen aus.

Der Balsabaum ist eine schnell wachsende und nicht bedrohte Pflanzenart, die in Südamerika heimisch ist. Er kann bereits nach vier bis sieben Jahren geerntet werden und wird daher häufig auf Plantagen angebaut. Das unterscheidet ihn grundsätzlich von klassischen Tropenhölzern aus langsam wachsenden Urwaldbäumen.

Screenshot aus https://www.youtube.com/watch?v=BjwaUVrNggA

Richtig ist: Balsaholz wird auch beim Bau von Rotorblättern verwendet, allerdings in begrenztem Umfang. Für ein Rotorblatt werden etwa 5 bis 6 m³ benötigt, der überwiegende Teil besteht aus Kunststoffen und Verbundmaterialien. Der Eindruck, Rotoren bestünden maßgeblich aus Holz, ist daher nicht zutreffend. Für ein Rotorblatt werden 10 – 30 Bäume benötigt, diese wachsen in einer Plantage auf einer Fläche von ca. 30 x 30 m.  

Ein Großteil des weltweit gehandelten Balsaholzes stammt aus Ecuador, mit einem Anteil von etwa 80 bis 90 Prozent. Dabei ist wichtig: Schon vor einigen Jahren gingen drei Viertel der Exporte nach Asien (hauptsächlich China), während Europa nur ca. 12% importiert. Dass durch deutsche Steuergelder Regenwald abgeholzt würde, ist daher nicht haltbar.

Tatsächlich gab es aber insbesondere um das Jahr 2020 herum Berichte über illegale Abholzungen infolge stark gestiegener Preise. Diese Situation war jedoch vor allem eine Folge eines kurzfristigen Nachfragebooms. Die europäische Windbranche gibt an, seit Jahren auf zertifizierte Lieferketten und langfristige Partner zu setzen und solche Praktiken nicht zu unterstützen.

Aktuell hat sich die Lage zudem weiter verändert: Aufgrund der damaligen Preissteigerungen und gestiegener Anforderungen an Nachhaltigkeit setzen viele Hersteller inzwischen verstärkt auf alternative Materialien wie Kunststoffschäume, die sich zudem leichter recyceln lassen. Diese werden Balsaholz mittelfristig vollständig ersetzen.

Zum Thema Förderung: Das sogenannte Referenzertragsmodell sorgt dafür, dass Windenergie nicht nur an wenigen besonders windreichen Standorten ausgebaut wird. Auch windärmere Regionen können wirtschaftlich beteiligt werden. Das dient einer ausgewogeneren Stromerzeugung und stabileren Netzen und reduziert damit die Gesamtkosten. Weiter Informationen hierzu finden Sie z.B. hier.

Bürgerbeteiligungen an Windparks: Irreführende Schlussfolgerungen

In einem kurzen Text übernimmt „Gegenwind Bergstraße“ zentrale Aussagen eines Beitrags von Manuel Frondel (RWI / INSM) zu Bürgerbeteiligungen an Windparks. Der Eindruck, der dabei entsteht, ist eindeutig: Windenergie sei wirtschaftlich riskant, volkswirtschaftlich ineffizient, ökologisch schädlich und klimapolitisch weitgehend wirkungslos.

Diese Schlussfolgerung hält einer sachlichen Prüfung nicht stand. Der zugrunde liegende Text arbeitet mit verkürzten Darstellungen, veralteten Annahmen, methodisch umstrittenen Studien und falschen Ableitungen aus der Forschung.

Manuel Frondel – kein neutraler Wissenschaftler

Manuel Frondel wird als Energieökonom vorgestellt, der scheinbar nüchtern Risiken analysiert. Verschwiegen wird jedoch der institutionelle Kontext: Frondel ist seit Jahren einer der prominentesten Autoren in Kampagnen der INSM gegen die Förderung erneuerbarer Energien, sein Arbeitgeber, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) (eng verbunden mit dem Energiekonzern RWE) tritt wiederholt mit wertenden Beurteilungen der Energiewende auf, nicht nur mit wertfreier Analyse.

Angebliche Wertverluste von Immobilien

Frondel behauptet, Immobilien in der Nähe von Windkraftanlagen verlieren an Wert. Er stützt sich hierbei maßgeblich auf eine eigene Studie, die jedoch methodisch umstritten ist, nicht zuletzt weil sie nur Angebote statt tatsächliche Verkaufspreise nutzt und methodisch vereinfacht arbeitet – etwa durch ein lineares Modell, obwohl komplexere Modelle besser geeignet wären.

Demgegenüber steht eine breite internationale Literatur (USA, Dänemark, Großbritannien), deren überwiegendes Ergebnis lautet: Kein robuster, langfristiger, generalisierbarer Wertverlust, falls überhaupt Effekte auftreten, dann sind diese kurzfristig und lokal begrenzt, häufig überlagert von allgemeinen Marktbewegungen.

Frondel präsentiert damit eine Minderheitenposition als scheinbar gesicherten Befund.

„Falsche Windprognosen“ und der Mythos veralteter Indizes

Frondel und Gegenwind behaupten, zahlreiche Bürgerwindparks seien gescheitert, weil fehlerhafte Windprognosen auf Basis des BDB- bzw. Keiler-Häuser-Index verwendet worden seien.

Diese Darstellung ist zeitlich und fachlich überholt. Der BDB- bzw. Keiler-Häuser-Index wurde historisch als grobe Orientierungsgröße genutzt, er war nie die alleinige Grundlage professioneller Ertragsgutachten.

In der heutigen Planungspraxis spielen diese Indizes keine relevante Rolle mehr. Der aktuelle Stand der Technik sind Standortmessungen mit Messmasten und Laserscannern (Lidar/Sodar), mathematische Modelle der Windströmungen, Langzeitkorrekturen mit umfassenden Wetterdatensätzen sowie statistische Ertragsabschätzungen, die verschiedene Unsicherheiten ausdrücken.

Die pauschale Kritik vermischt frühe Projekte der Anfangsjahre der Windenergie
mit heutigen, hochstandardisierten Planungsverfahren.

Technische Risiken und Insolvenz: Triviales wird skandalisiert

Es wird suggeriert, Beteiligungen an Windparks seien hochriskant, da Anleger nachrangige Gläubiger seien und technische Schäden auftreten könnten.

Diese Aussage ist formal korrekt, aber inhaltlich banal: Jede unternehmerische Beteiligung ist kein Sparbuch. Windparks werden heute jedoch mit umfangreichen Risikoabsicherungen geplant, nämlich umfassende technische Versicherungen, Vollwartungsverträge, Garantien zur Verfügbarkeit der Anlagen, und umfassende finanzielle Prüfungen der Betreiberfirma.

Frondel stellt unternehmerisches Risiko so dar, als sei es ein spezifisches Defizit der Windenergie. Das ist irreführend.

Der Wasserbett-Effekt: Eine korrekte Beobachtung, falsch interpretiert

In seinem Text erwähnt Frondel den sogenannten Wasserbett-Effekt und verwendet ihn als angeblichen Beleg dafür, dass der Ausbau erneuerbarer Energien klimapolitisch wirkungslos sei, da Emissionsreduktionen durch den EU-Emissionshandel „neutralisiert“ würden.

Tatsächlich beschreibt die von ihm zitierte Studie der Universität Hamburg eine technische Wechselwirkung im europäischen Emissionshandel: Wenn weniger Emissionsrechte nachgefragt werden, sinkt der Preis, wodurch andere Marktteilnehmer unter Umständen mehr emittieren können.

Entscheidend ist jedoch: Die Studie erklärt nicht, dass erneuerbare Energien wirkungslos seien, stattdessen betont sie ausdrücklich die Rolle der Marktstabilitätsreserve (MSR), die überschüssige Emissionsrechte aus dem Markt nimmt. Für den deutschen Kohleausstieg kommt sie zu dem Schluss, dass er sehr wahrscheinlich zu realen Emissionsreduktionen geführt hat.

Der Wasserbett-Effekt ist damit kein Argument gegen erneuerbare Energien, sondern ein Hinweis auf die Notwendigkeit eines gut gestalteten Emissionshandelssystems.

Das Referenzertragsmodell: Falsche Schlussfolgerungen

Frondel behauptet, der Referenzertragsausgleich stelle eine ineffiziente Subvention dar, die „aus Steuergeldern“ finanziert werde und sich daher volkswirtschaftlich nicht lohne. Diese Darstellung ist verkürzt und in ihrer Schlussfolgerung irreführend.

Seit Juli 2022 wird die EEG-Förderung nicht mehr über eine Umlage auf den Strompreis, sondern über den Bundeshaushalt finanziert. Die heutige Haushaltsfinanzierung ist vor allem eine buchhalterische und verteilungspolitische Umstellung, keine grundsätzliche Neubewertung der Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

Zweitens wird das Referenzertragsmodell von Frondel systematisch missverstanden oder verzerrt dargestellt. Sein Zweck ist nicht, ineffiziente Standorte künstlich rentabel zu machen, sondern standortbedingte Windunterschiede teilweise auszugleichen, um eine extreme räumliche Konzentration des Windkraftausbaus zu vermeiden, regionale Akzeptanz zu fördern, die Netzausbaukosten zu begrenzen und eine gleichmäßigere Erzeugungsstruktur zu ermöglichen.

Drittens blendet die Argumentation vollständig aus, dass auch konventionelle Energieträger seit Jahrzehnten direkt und indirekt staatlich gestützt werden: durch Steuervergünstigungen, staatlich übernommene Risiken, Importabsicherung und vor allem durch die Nicht-Berücksichtigung externer Kosten wie Klimaschäden oder Gesundheitskosten. Die volkswirtschaftlichen Schäden durch fossile Energien – Klimafolgen, Gesundheitskosten, geopolitische Abhängigkeiten – übersteigen die Kosten der EEG-Förderung um ein Vielfaches.

Die Behauptung eines grundsätzlich „schlechten Nutzen-Kosten-Verhältnisses“ des Referenzertragsmodells ist daher nur haltbar, wenn man zentrale Vergleichsgrößen bewusst ausklammert. Sie ist weniger Ergebnis einer nüchternen Kosten-Nutzen-Analyse als Ausdruck einer politisch vorgeprägten Bewertung.

Fazit

Der Text von Frondel und die verkürzte Wiedergabe durch „Gegenwind Bergstraße“ ist kein sachlicher Beitrag zur Debatte über Bürgerbeteiligungen an Windparks. Er arbeitet mit selektiver Studienwahl, veralteten Annahmen, falschen Schlussfolgerungen aus seriöser Forschung und einem durchgängig negativen Framing.

Bürgerbeteiligungen an Windparks sind keine risikofreien Anlagen – das behauptet auch niemand. Sie sind jedoch ein erprobtes Instrument zur regionalen Wertschöpfung, Akzeptanzsteigerung und klimawirksamen Stromerzeugung. Wer das Gegenteil suggeriert, ohne sauber zwischen Risiken, Systemfragen und politischer Gestaltung zu unterscheiden, führt die Debatte nicht aufklärend, sondern verzerrend.

Einordnung Eduard Heindl

Werdegang

Eduard Heindl ist ein promovierter Physiker mit anerkannten Forschungsleistungen. 1997 startete Heindl die Website Solarserver, ein Portal zum Thema Solarenergienutzung in Deutschland, wofür er den Umwelt-Online-Award in Silber und den Deutschen Solarpreis erhielt. Der Lageenergiespeicher ist ein patentiertes Konzept von Heindl, bei dem durch hydraulisches Anheben einer sehr großen Felsmasse elektrische Energie gespeichert werden soll, das dafür gegründete Unternehmen ging allerdings 2020 insolvent. 2022 startete er den YouTube-Kanal Energiegespräche, in dem er Experten zu Energiethemen interviewt.

Gesprächspartner Energiegespräche

Auf seinem Youtube-Kanal interviewt Heindl neben durchaus anerkannten Experten zur Energiewende (Eicke Weber, Dirk Specht) interessanterweise aber das Who-ist-Who der Energiewendegegner und Klimawandel-Leugner, deren Positionen er nicht widerspricht:

GesprächspartnerPositition zu Energiewende / Klimawandel
Gerd Ganteför (2x)Verharmlost den Klimawandel; Behauptet, es gäbe gar nicht genug Wind; Wurde von Volker Quaschning widerlegt
Vince Ebert (2x)Kritisiert die deutsche Energiewende als ideologisch verengt und realitätsfern und propagiert Kernkraft; schürt Angst vor Blackouts
Hans-Werner Sinn (2x)Behauptet mit falschen Berechnungen, die Speicherfrage sei nicht lösbar, propagiert Kernkraft
Fritz Vahrenholt (2x)Leugnet bzw verharmlost den Klimawandel und lehnt die Energiewende ab
Christian RieckVerharmlost den Klimawandel
Michael ThorwartMitverfasser einer Studie gegen den Windatlas Baden-Württemberg, die schließlich vom Springer-Verlag zurückgezogen wurde
Axel BojanowskiVerharmlost den Klimawandel
Manuel FrondelKritisiert regelmäßig mit schrillen Formulierungen (“Subventions-Irrsinn”) die Förderung des Ökostroms; Verfasser zweifelhafter Studien gegen Windkraft
Anna Veronika WendlandAtomkraft-Lobbyistin
Daniel GräberRedakteur des rechten Magazins Cicero, der versucht, den Atomausstieg als illegal zu framen
Ulrich GräberKämpft für Atomkraft
Wolfgang EberhardVerharmlost den Klimawandel

Position zur Windkraft

Eduard Heindl ist Windkraftgegner. Belegen lässt sich dies durch einen Vortrag bei “Pro Natur Starzach“, die mit schrillen Plakaten und persönlichen Angriffen gegen geplante Windräder vorgeht. Seinen Vortrag eröffnet er direkt mit Bildern aus dem Taunus, der schon “zugepflastert mit Windenergieanlagen” sei. Auch im weiteren Verlauf seines Vortrags verwendet er abwertende Begriffe wie z.B. “Windmühlen”.

Aus der Einleitung über die Geschichte und Physik der Windkraft schließt er, dass nur bestimmte Regionen der Erde sinnvoll Windenergie nutzen können, insbesondere die Küsten oder z.B. die Mongolei. Baden-Württemberg habe keinen Wind, dort seien Anlagen nicht wirtschaftlich. Mit keinem Wort geht er auf lokale Windgeschwindigkeiten auf Höhenzügen ein, sondern zeigt nur sehr grobe europaweite Übersichtskarten.

Der nächste Punkt seines Vortrags beschäftigt sich mit der Größe der Anlagen und der für den Bau benötigten Kräne, welche enorme Schäden im Wald erzeugen würden. Wenn man die Ressourcen (z.B. Stahl) statt im windarmen Süden im windreichen Norden einsetzen würde, hätte man diese viel sinnvoller verwendet. Über die Notwendigkeit der regionalen Versorgung und die Herausforderungen und Kosten des Stromtransports über weite Strecken spricht er nicht.

Dann geht Herr Heindl auf die Energiemengen von Windkraftanlagen und Kernkraftwerken ein. Dabei haben Windkraftanlagen in seinem Vortrag eine maximale Leistung von 5MW. Der Vortrag ist von 2024, mittlerweile gibt es Anlagen mit 7MW und erzeugen je nach Standort zwischen 12 und 20 GWh Strom, nicht nur 8,8 GWh wie von Heindl abgeschätzt. Er schließt, dass das Kernkraftwerk Neckarwestheim durch 1200 Windkraftanlagen ersetzt werde müsse. Diese Anlagen verteilt er in einem Gitter von 2 x 2 km und kommt damit auf einen Flächenbedarf von 60 x 80 Quadratkilometer. Abgesehen davon, dass ein solches Aufstellen von Anlagen komplett sinnlos ist und nur der Angstmache dient, verschweigt er sämtliche weiteren Möglichkeiten der Stromversorgung.

Intensiv geht er auf das Thema “Dunkelflaute” ein. Es fällt direkt auf, dass er den Strombedarf als konstant annimmt (bzw. als Durchschnittswert einzeichnet), die Erzeugung aber mit schwankenden Werten. Tatsächlich schwankt aber natürlich auch der Bedarf, dies um so mehr, wenn große industrielle Verbraucher ihren Bedarf flexibilisieren (was teilweise bereits passiert).

Wenn die Erzeugung um den Faktor 6, wie von der Bundesregierung geplant, ausgebaut würde, dann entstünde nach Heindel ein gigantischer Überschuss, der nicht gespeichert werden könne und abgeregelt werden müsse. Mittlerweile ist diese Argumentation unter dem Stichwort “Hellbrise” bekannt. Damit sich Windkraft lohne, brauche es also gigantische Subventionen weil die Strompreise nahe bei Null lägen, wenn Wind weht. Er ignoriert dabei wiederum die Flexibilisierung der Nachfrage, Speicherkapazitäten und das europäische Verbundnetz, außerdem schürt er die Angst, dass dadurch der Strompreis steigt ohne natürlich zu erwähnen, dass der Großteil des günstigen Stroms im Inland verbraucht wird.

Seltsamerweise macht Heindl die Windkraftbetreiber direkt für die Speicherung des erzeugten Stroms verantwortlich. Dies ist insofern absurd, als dass bis Ende 2025 das EEG festlegte, dass ein Betreiber sämtliche EEG-Vergütung verlor, wenn er nicht garantieren konnte, dass die Speicher ausschließlich mit dem selbst erzeugten Strom geladen wurden. Da dies technisch schwer bis unmöglich umzusetzen war, wurde auf eine derartige Kopplung verzichtet.

Heindl stellt die Sinnhaftigkeit einer derartigen Kopplung (und in Konsequenz eigentlich die Sinnhaftigkeit von Batteriespeichern überhaupt) in Frage, weil er davon ausgeht, dass diese schon nach 5, spätestens nach 10 Jahren defekt seien und der ganze Batteriepark ausgetauscht werden müsse. Tatsächlich halten Lithium-Ionen-Batterien 10 bis 15 Jahre, und auch danach sind sie nicht einfach defekt, sondern haben eine Teil ihrer Speicherkapazität verloren, so dass ein Austausch wirtschaftlicher ist als ein Weiterbetrieb, insbesondere wenn man die Weiterentwicklung der Batterietechnologien betrachtet, durch die die Energiedichte ständig steigt. Und natürlich sind die Batteriezellen nur ein Teil der gesamten Infrastruktur.

Möglicherweise stammt seine Ablehnung von eigenen schlechten Erfahrungen, denen zufolge er 1992 durch eine Investition in eine Windkraftanlage in der Eifel 28.300 DM verloren habe.

Weiter übernimmt Heindl in seinem Vortrag eine These von Professor Ganteför (den Heindl ebenfalls interviewt hatte), der behauptet, physikalisch gäbe es in Baden-Württemberg überhaupt nicht genug Wind, um das Land damit mit Strom zu versorgen. Diese These wurde bereits von Prof. Volker Quaschning ausführlich widerlegt. Dem so berechneten (falschen) Energieerzeugungspotential stellt er den Primärenergiebedarf Baden-Württembergs gegenüber – ein weiterer gerne verwendeter Trick von Gegnern der Energiewende, die die Effizienzgewinne durch die Elektrifizierung (und darüber hinaus wiederum weitere klimaneutrale Erzeugungsformen) unterschlagen.

Schließlich versteigt sich Heindl sogar zu der Behauptung, der Rückgang der mittleren Windgeschwindigkeiten in Deutschland käme davon, dass die Windkraftanlagen ihn abbremsen würden. Es gibt aber keinen derartigen eindeutigen Trend, die Windgeschwindigkeiten schwanken regional und von Jahr zu Jahr sehr viel stärker; es lässt sich seit 1980 maximal ein Rückgang von knapp 6% aus den von Heindl verwendeten Wetterdaten ablesen – nicht 30% wie von ihm behauptet. Betrachtet man den ganzen Zeitraum seit 1950, ist fast überhaupt kein Rückgang mehr vorhanden. Heindl verwendet also bewusst eine selektive Auswahl, ein vollkommen unwissenschaftliches Vorgehen.

Sofern überhaupt ein Rückgang oder eine Änderung existiert, so wäre allerdings der Klimawandel dafür verantwortlich, diesen erwähnt Heindl mit keinem Wort.

Sein Fazit ist, dass das Abschalten der Kernkraftwerke eine teure Fehlentscheidung war – und zeigt, woher bei Heindl der Wind weht. Konsequenterweise spielt er in einem weiteren Video die Gefährlichkeit von Radioaktivität herunter.

Zusammengenommen gibt Heindl die falschen Narrative von Kernkraftbefürwortern und Energiewendegegnern wieder, einen wissenschaftlicher Ansatz gibt es in seinem Vortrag nicht.

Das “Energiepolitische Dreieck”

Von “Gegenwind Bergstraße” wird Heindl als Redner zum Thema “Energiepolitisches Dreieck” eingeladen. Dieser Begriff wird von Gegenwind auch auf deren Flyern bemüht. Das energiepolitische Zieldreieck ist ein etabliertes Konzept in der energiepolitischen Analyse Deutschlands und der EU, das drei wesentliche Ziele der Energiepolitik beschreibt – und zwischen denen Zielkonflikte bestehen können:

  1. Versorgungssicherheit
  2. Wirtschaftlichkeit / Bezahlbarkeit
  3. Umweltverträglichkeit / Klimaschutz

Dieses Modell wird in wissenschaftlichen und politischen Diskussionen breit verwendet, um Zielkonflikte und Kompromisse in politischen Strategien zu analysieren.

Versorgungssicherheit bezieht sich auf zwei Aspekte der Energiepolitik: Sowohl eine technische als auch die politische Versorgungssicherheit müssen garantiert sein. Technische Versorgungssicherheit garantiert, dass alle Energiequellen und ihre technischen Komponenten – zum Beispiel Anlagen, Leitungen und Steuerungssysteme – voll funktionsfähig und einsatzbereit sind. Politische Versorgungssicherheit meint das Funktionieren der Energieversorgung auch im Falle eines Wegbrechens von Energieimporten.

Das Ziel der Wirtschaftlichkeit (Bezahlbarkeit) besteht darin, Energie für alle bezahlbar zu machen. Somit hat es auch eine starke soziale Komponente. Wenn sich Endverbraucher:innen Strom, Gas und Benzin nicht mehr leisten können, sorgt das für soziale Unruhen und ein weiteres Aufklaffen der Schere zwischen Arm und Reich. 

Der Kern der Energiewende ist die ökologische Verträglichkeit von Strom- und Wärmeerzeugung. Um die Klimaziele einzuhalten, muss die Energieversorgung schnell auf erneuerbare Energien umgestellt werden.

Heindls Haltung

Es gibt keine expliziten öffentlichen Aussagen von Heindl zu diesem Thema. Allerdings kann aus seinen bisherigen Gesprächen und Veröffentlichungen abgeleitet werden, dass er

  • die Versorgungssicherheit als ein zentrales, aber problematisches Element der aktuellen deutschen Energiepolitik sieht. In vielen seinen Beiträgen übt er Kritik an der Energiewende und zeigt angebliche Probleme auf. Seine Interviewpartner, insbesondere Hans-Werner Sinn zweifeln die technische Versorgungssicherheit mit den Schlagworten “Zappelstrom” und “fehlende Grundlast” an.
  • Kosten- und Wirtschaftlichkeitsfragen sind zentraler Teil seiner Argumentation, u.a. hat er einen eigenen Vortrag zum Thema “Der wahre Strompreis der Erneuerbaren Energiequellen” veröffentlicht. Viele Gesprächsfolgen oder Interviews drehen sich um Strompreis, Energiepreise, Marktmechanismen und wirtschaftliche Akteursfragen („Öl, Preise, Wirtschaft in Deutschland“ mit Sinn; Andrea Thoma-Böck zu “Strompreis, Überregulierung, Arbeitsplätze”).
  • Umwelt- und Klimaschutz werden nicht als wichtiges Problem präsentiert, viele seiner Gespräche hierzu sind mit Menschen, welche die Gefahren des Klimawandels herunterspielen oder in Frage stellen (Ganteför, Vahrenholt, Rieck, Bojanowski, Eberhard).

Zusammenfassend lässt sich vermuten, dass Heindl den Klimawandel als eher unproblematisch einschätzt und statt Windrädern lieber Atomkraftwerke bauen würde.